Endlich habe ich es mal geschafft, meine Festrede, die ich anläßlich des Neujahrsempfangs der Hochschule Pforzheim 2005 halten durfte, zu vertonen. Hurra! Hat ja nur 4,5 Jahre gedauert. Trotzdem immer noch aktuell (bis auf das Unwort des Jahres, welches im Jahr 2004 “Humankapital” war) …. aber hört selbst:
(und hey: keine Klagen über die Qualität, mein Lüfter hat sich sehr bemüht leise zu sein)
Interdisziplinarität, Bildung und Eliten (ca. 23 min)
viel Spass!
Ich hatte immer gedacht, dass ich den Umgang mit dem ganzen VC Geld irgendwie abstrahiert habe. Mir immer bewusst war, WIEVIEL Geld ein paar Millionen Euro eigentlich sind, die einem *einfach* jemand gibt, auf Basis eines Business Plans, einer Idee, die sich noch nicht behauptet hat. (Gott sei Dank ist das heutzutage etwas anders)
Als ich zwei Monate nach meinem Rücktritt aus dem Vorstand als Regieassistentin bei einer Freien Theatergruppe in Hamburg anfing, saß ich am ersten Abend mit dem Regisseur zusammen. Er war ziemlich niedergeschlagen, weil er noch so viel Geld für die aktuelle Produktion brauchte. Und sagte ständig: „Tina, das ist soooo viel Geld. Ich weiss nicht, woher ich das nehmen soll“. Irgendwann habe ich ihn gefragt, um welchen Betrag es ganz genau gehen würde und erwartete eine mittlere 5-stellige Summe. Er sah mich an und sagte sehr ernst „Wir brauchen noch mindestens 5000 Euro, besser 7000“.
Puh. Mein letzter Streit mit unserem Privatinvestor ging um eine Million Euro. Und die hätte gar nicht mal sooo lange gereicht. Mmmh. Da habe ich dann doch gemerkt, wie schnell – und vor allem unbewusst – mich der Umgang mit grossen Summen auf eine andere Wahrnehmungsebene gebracht hat. Und mir das Gefühl verloren gegangen war, das VIEL Geld für die meisten Menschen ganz woanders angefängt.
Hat mich voll geerdet. Die ganze Theatersache.

Die aktuelle Ausgabe der Brand Eins hat den Titel “Felher”. Gefällt mir supergut als Übergang in mein Solitude Thema.
Von Februar bis August 2003 war ich Stipendiatin an der Akademie Schloss Solitude. Das hat nichts mit Schule oder Lehre zu tun, sondern Solitude vergibt Stipendien an internationale Künstler in verschiedenen Sparten. Und seit 2003 auch im Rahmen des Programms *art, sience & business* an Unternehmer, Manager und Wissenschaftler. Um zu erkunden, wie neue Formen von interdisziplinärer Zusammenarbeit funktionieren können.
Ich war die erste Vollzeit-Business-Stipendiatin in diesem Programm und habe zu dem Thema “Was kann ein Fehler / What is an error good for” dort mit anderen zusammen gearbeitet. Nach 6 Monaten auf dem Schloss habe ich zum Schluss folgendes geschrieben:
Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst, drei Wirklichkeiten, die sich gegenseitig ihrer positiven Effekte bedienen, aber zu selten den Versuch unternehmen, sich gegenseitig als Ganzes zu reflektieren. Die Frage bleibt, ob es bei diesem Versuch möglich wäre, die Identität in der eigenen Wirklichkeit zu erweitern oder ob es in der Entstehung vieler Identitäten endet. Ich weiß nicht, welche der Alternativen die Bessere und welche ein Fehler wäre.
Solitude ist der größte Fehler meines Lebens. Er ist so groß, das er in meiner Zukunft für immer seine Spuren hinterlassen wird. Er ist so schwerwiegend, das er sich in meinem Denken festgesetzt hat und wesentliche Entscheidungen in meinem Leben beeinflusst. Es ist der beste Fehler, den ich je gemacht habe, denn ich unterscheide mich jetzt von meinen Wirtschaftskollegen durch eine wesentliche Abweichung:
Ich war wirklich hier.
Letzte Kommentare