Phoenix Criminal Lawyer

was mich interessiert

Das habe ich nicht gewählt.

06.30.13 | 2 Comments

Der Gau. Viele haben ihn geahnt, einige wahrscheinlich längst gewusst.

Doch welcher Gau meinen wir denn eigentlich? Die Gewissheit, das unsere digitale Kommunikation von mindestens einem Geheimdienst mitgelesen wird? Geschenkt. Sagen die einen: “ist doch kein Problem, wenn Du nix zu verbergen hast. Denk halt nach, bevor Du etwas ins Internet schreibst.” Ok, die Haltung kann man haben; sie reicht leider nur bis zum Wassergraben der Kritikzone unserer demokratischen Freilaufzone. “Lasst die Hühner doch gackern” scheinen die beteiligten Regierungen zu denken.

Mit welchen Begründungen Geheimdienste seit 9/11 digitale Kommunikation und Inhalte im Internet länderübergreifend aus- und mitlesen, ist tatsächlich fast egal. Die eigentlich fatale psychologische Message ist: “Sobald Du etwas postet, was uns nicht passt, haben wir Zugriff auf Dich. Wir wollten Dich das nur wissen lassen.”

“Uns” können wahlweise Unternehmen oder Regierungen sein. Diese Message mappt selbst im kleinsten Hühnerhirn nicht auf ihr freiheitliches Selbstverständnis. “Alles nur theoretisch” sagen die Regierungen, “wenn sie sich nichts vorzuwerfen haben, haben sie auch nichts zu befürchten.”

Nein.
Ich möchte nicht in einem Land mit praktisch angewandter theoretischer Pre-Repression leben.
Das habe ich nicht gewählt.

Im Internet hat es nie Grenzen gegeben, die es zu verteidigen gilt. Leider passt dies nicht mit dem Konzept der Nationalstaaten überein. Die politische Bruchkante dieses “Übereinanderlegen” von globalem Internet und Nationalstaaten zeigt sich bei den Ad-Hoc Unterstützungen im arabischen Frühling und bei allen anderen Demonstrationen, durch Teilnehmer, die über ein moralisches oder ethisches Mindset einem ausreichend global vernetzten Teil von Menschen, länderübergreifend auch virtuell vereint sind – und damit fast ein “Quasi-Volk” bilden.

Eine entscheidende gesellschaftliche Frage, die aus dem Gau resultiert muss lauten: Wie gehen wir mit diesen Bruchkanten um?

Für jede Regierung und für jede Gesellschaft stellt dies zugleich Gefahr und Chance dar. Noch nie war es so einfach Gruppen von Menschen global gezielt zu beeinflussen.
Die Konstruktion des Internet ist eine Erfindung des amerikanischen Militärs. Und ganz gleich, wieviele großartige zivile Projekte bislang daraus enstanden sind, Edward Snowden erinnert uns an den Konstrukteur.

Der Gau ist, das wir uns einreden und einreden lassen, in all unserer Bequemlichkeit, das DIESES Internet, DAS Internet ist. Weil es doch so groß ist, weil man es überall benutzen kann, weil es unser Arbeiten so effizient macht, weil Oma jederzeit die Bilder vom Enkel sehen kann, weil wir es fast als Teil unserer DNA sehen.

Die Technologien des Internet, insbesondere das WWW und eMail, sind blutjung. Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet daher nicht, mit welchen Gesetzen wir DIESES Internet regeln können (denn das können wir nicht mehr), sondern ob wir alle zukünftigen Technologien auf der ideologischen Basis dieses Konstrukteurs aufbauen wollen. Wir müssen das nämlich nicht.

Wir können auch einfach unsere Lehren ziehen und etwas Neues aufbauen. Mit einem Konstrukteur, den wir selbst wählen. Das schützt uns nicht vor neuen Fehlern, aber es ermöglicht eine echte Innovation. Und das würde auch nicht bedeuten, das wir das erste Internet aufgeben müssen. Wir haben auch heute noch die Wahl zwischen Pferdekutsche, Auto und Flugzeug.

Aber schon Einstein wusste:
“Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind”.

Share

2 Comments

speak up

Add your comment below, or trackback from your own site.
Subscribe to these comments.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

:

:


«

Copyright © 2007 Themenriff. All rights reserved.