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Stresstest

03.17.11 | 6 Comments

Angesichts der angekündigten Stresstests für AKWs habe ich mir gedacht: Machste doch mal selbst einen!
Denn während die Japaner seit Jahrzehnten regelmäßig Übungen für Katastrophen-Situationen absolvieren, werden wir wohl nicht einmal in den aktustischen Genuss eines Warnsignals kommen, weil es längst weggespart wurde. (Link via @henniee)

Während ich also stattdessen der Bundestagsdebatte zur Regierungserklärung zur Lage in Japan lausche (was ja einem Warnsignal recht nahe kommt), versuche ich mich über das Internet zu informieren, wie der “Plan” im Falle eines GAUs in Brunsbüttel (seit 2007 abgeschaltet) oder Krümmel (derzeit auch abgeschaltet) in Hamburg aussieht. Welches Verhalten wird empfohlen, an wen kann ich mich wenden? Würde mein Wohngebiet evakuiert werden und wer würde das machen? Wo sind im Falle des Falles Schutzräume? Naja, ich will einfach mal wissen, was die Stadt Hamburg so bereithält an Infos.

Erste Googleanfrage: “Katastrophensschutz Hamburg”
Man findet direkt die offizielle Website der Stadt Hamburg zum Thema Katastrophenschutz. Dabei lerne ich unter den aktuellen Hinweisen als erstes, dass der Leiter der Katastrophenabwehr Dr. Stefan Schulz sich demnächst regelmäßig mit Experten trifft und “Schritte identifizieren” will, die sich aus den Geschehnissen von Japan für Hamburg ergeben.

…. Aus diesem Grund ist es mir wichtig, dass sich die zuständigen Behörden in Hamburg eng abstimmen und mögliche Handlungsoptionen bereits jetzt durchgehen. Aus diesem Grund wird sich diese Expertengruppe bis auf weiteres regelmäßig unter der Federführung der Behörde für Inneres und Sport treffen und kontinuierlich die Lage bewerten und die sich daraus für Hamburg ergebenden Schritte identifizieren.“

An dieser Stelle bin ich dann das erste Mal stutzig geworden….Ja, mmh, sind denn bisher keine “Schritte identifiziert” für mögliche GAUs? Und wer sind denn die zuständigen Behörden genau? Und überhaupt: mit der Redewendung “bereits jetzt” fühlt sich mein Bauch doch recht unwohl.

Ich meine, ok, das die Infos über Sturmfluten auf Hamburg.de extra angeteasert werden kann ich ja nachvollziehen. Allerdings habe ich auch letzten Sommer einen Halbtagsausflug mit dem Rad an der Elbe gemacht. Ging aber nur bis zum KKW Brunsbüttel, dann war der Radweg erstmal zu Ende. Zu einem KKW Störfall kann es 365 Restrisikotage im Jahr kommen, zu Sturmfluten eher nicht.

Aber gut, direkt unter dem obigen Artikel gibt es weiterführende Links. Und bereits der zweite Link, nämlich der zum Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit – im Homepage-Teaser zur Reaktorkatastrophe in Japan listet unter “Fragen und Antworten” bereits unter Punkt 7 die Maßnahmen auf, die für Deutschland in Falle eines GAUs vorgesehen sind:

Folgende Maßnahmen sind – je nach Lage – vorgesehen:

Evakuierung in der näheren Umgebung (bis etwa 10 – 25 km)
Verbleiben im Haus (bis etwa 25 – 100 km)
Einnahme von Jodtabletten, um die Schilddrüse vor dem Einbau von radioaktivem Jod zu schützen
Landwirtschaftliche Maßnahmen zur Vermeidung von Kontaminationen (Kühe in den Stall, Abdecken von Kulturen)

Ok. Soweit so unzureichend, weil ich ja eigentlich spezifische Hamburger Infos wollte. So treibt mich jetzt gleich mal die Frage um: Wie weit entfernt wohne ich denn eigentlich wirklich von Brunsbüttel und Krümmel ? Mehr oder weniger als 25 km?

Gucke ich doch mal, was sich unter dem Link “Notrufe und Notlagen” auf hamburg.de verbirgt. Aber ach. Bis auf die Nummern von Polizei und Feuerwehr befindet sich die Seite leider noch im Aufbau.

Klick ich halt nochmal beim Katastrophenschutz. Hinter der zweiten aktuellen Meldung finde ich zumindest mal Infos für Messtellen. Na ja. Hilft mir zwar auch nicht so wirklich weiter beim GAU. Allerdings frage ich mich, wo genau ich diese Info finde würde, wenn es den Unfall in Japan nicht gegeben hätte.

Leicht genervt surfe ich etwas willenlos durch die Website und klicke reichlich unmotiviert auf “Broschüren von A-Z”. Eigentlich eröffnet sich dann immer ein wüstes Durcheinander von Informationen von denen kein User weiß wie alt oder relevant sie sind. Unter “A” wie Atomkraftwerk finde ich erstmal nix, auch “K” wie Kernkraft auch nix, aber interessante Infos über Kopfläuse und Kondome. Aber dann: Unter “R” für Radioaktivität finde ich eine PDF-Broschüre des Instituts für Hygiene und Umwelt, die etwas ausführlicher ist, was Prozesse für Messstationen im Fall des Falles angeht.

Ich habe dann auf Hamburg.de nochmal nach “GAU” gesucht und beim Bezirksamt Hamburg-Nord für Umweltschutz habe ich Frau Gau gefunden. Das Amt ist in der Krümmelstr. Kümmellstraße 6.
Ich seufze.

Bei einer neuen Googlesuche nach “Maßnahmen bei Störfall Brunsbüttel” bekomme ich nach den ersten beiden Wikipedia-Einträgen einen Link zu einem Merkblatt für die Störfallvorsorge herausgegeben von Unternehmen in Brunsbüttel. Bis auf das KKW Brunsbüttel.

Ich könnte stundenlang weitersuchen, aber ich muss heute noch etwas arbeiten…..
Ich bin jedoch sicher, im Ernstfall wären die Informationen alle online. Ganz bestimmt. Wirklich. Ich schwör. Da vertrau ich den Verantwortlichen total.

Bis dahin bleibt mein Fazit:
Was genau im Falle eines GAUs seitens des Katastrophenschutzes genau abläuft? Keine Ahnung.
Google Maps wird mir im Zweifel sagen, ob ich in einer Evakuierungszone wohne. Aber nach dem ich die NDR-Doku “Die Atomlüge” gesehen habe, erübrigt sich dieser Blogpost sowieso (demnach ist Hamburg eh verloren) und ich stelle mir meinen eigenen Maßnahmen-Katalog für den Fall eines GAUs in Hamburg auf:

  • Glaube erstmal nichts, was die Regierung sagt (die Opposition wird im gleichen Moment eh das Gegenteil behaupten)
  • Hinterfrage jedes Regierungs-Statement (und Oppositions-Statement)
  • Wenn irgendwie möglich, Infos aus dem (benachbarten) Ausland übers Internet besorgen
  • Abhauen und soviele Menschen wie möglich davon überzeugen dies ebenfalls zu tun
  • Falls man ein Auto besitzt: Soviele Menschen wie möglich mitnehmen, die es sich nicht leisten können einfach abzuhauen.
  • Tschernobyl und Fukushima haben für mich kommunikativ vor allem ein Fazit:
    Nicht nur im Krieg, auch beim GAU stirbt die Wahrheit zuerst.

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