Meine Kritik zu “inside Wikileaks”

Am Freitag habe ich mir das aktuell erschienene Buch “inside Wikileaks” von Daniel Domscheit-Berg gekauft. Für stolze 18 Euro.

Mein Fazit in einem Satz:
Der wahre Grund für die Existenz dieses Buches erschließt sich mir nicht.

Begründung:
Dem Fazit von golem.de und der Kritik der Sueddeutschen kann ich mich anschließen.

Ich finde dieses Buch unnötig, weil es niemandem und keiner Sache hilft voranzukommen. Mich interessieren beim Thema Wikileaks, Whistleblowing und Informationsfreiheit weder der Umgang mit Katzen, noch stinkende Nerdklamottenessenshaufen oder Bügelfaltenvorwürfe. Auch die Einblicke in die Kommunikationsprobleme zweier Egos finde ich eher irrelevant, weil sie so beliebig austauschbar sind.

Manchmal hatte ich den Eindruck, der Umgang zwischen Assange und Domscheit-Berg hat strombergeske Züge. Aber dafür ist die Hintergrundthematik und vor allem deren Zukunft doch eigentlich viel zu ernst und wichtig. Inhaltliche Auseinandersetzungen zwischen den beiden werden leider immer nur angerissen.

Und deshalb kann ich den Grund für dieses Buch, zu verhindern dass ein Popkult entsteht, nicht nachvollziehen, wenn es Domscheit-Berg nur um “die Sache” geht, wie er sagt. Und ich bin im Grunde geneigt ihm das zu glauben. Dieses Buch macht mir das jedoch sehr schwer.

Das Schlimmste jedoch ist, das mir dieses Buch vermittelt grundsätzlich die Glaubwürdigkeit und Sicherheit von Whistleblowing Plattformen in Frage zu stellen. Jetzt und in Zukunft. Und ja, natürlich sollte man nicht blind einer solchen Plattform vertrauen. Aber nach diesem Buch werde ich wohl weder Wikileaks noch Openleaks jemals irgendwelche Informationen zur Verfügung stellen (wenn ich was zu leaken hätte).
Das kann doch nicht die Intention gewesen sein?

PS: Dafür das auf dem Cover des Buches nur der Name von Daniel Domscheit-Berg steht, bei Amazon aber Tina Klopp ebenfalls als Autorin genannt ist, gibt es bestimmt eine einfache Erklärung, oder?

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8 Responses to “Meine Kritik zu “inside Wikileaks””


  1. 1 Mela

    Ghostwriter werden selten bis nie auf dem Cover genannt.

  2. 2 Martin Oetting

    Hab jetzt Deine Kritik und die von Süddeutsche gelesen – in letzterer klingt das Buch aber deutlich interessanter als in Deiner?

  3. 3 Picki

    @mela
    ja, in speziell diesem Fall hat es aber etwas Beigeschmack find ich.

  4. 4 Picki

    @martinOetting
    Für jemanden, der die Thematik absolut nicht kennt, ist es das bestimmt auch. Doch für Leute, die Wikileaks in den Medien und Blogs verfolgen ist es eher langweilig und eben sehr “strombergesk” finde ich.

  5. 5 Timm

    Deine Bewertung ist für mich ein “ach ja, das Buch könnte ich mir ja auch mal… dann doch nicht”.

    Ich hatte in einem der unzähligen Artikel zum Thema gelesen, dass DDB mit Assange vor allem wegen inhaltlicher Fragen um die Art der Veröffentlichungen, also Schwärzen von Namen, der redaktionellen Arbeit am Helikoptervideo und die damit verbundene Kommunikation etc. Auseinandersetzungen hatte.

    Was jawohl auch so war. Ich bin jetzt geradezu enttäuscht, und das obwohl ich das Buch nicht gekauft und nicht gelesen habe, dass neben den Schlammschlacht ausrufenden Medien sogar DDB “am Thema” (“der Sache”) vorbei schreibt, soweit ich dich richtig verstehe.

  6. 6 Picki

    @Timm
    Ja, die Themen werden auch aufgegriffen. Nur leider machen sie nicht den Kern des Buches aus.

  7. 7 Christoph Kappes

    Danke!
    Die Geisterschreiberschaft hat ZEIT Online immerhin in einem Artikel von Tina Klopp als Disclosure genannt. So herum funktioniert´s :-)

  1. 1 Lesenswerte Artikel 14. Februar 2011

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