Teppichetagen

Ich erzähle jetzt mal meine Quoten-Geschichten.

Also:
Ich habe mal eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte gemacht. Damals, mit 16 Jahren und Realschulabschluss.
Nach meiner Ausbildung wurde ich übernommen und wurde danach als erste Frau im Hauptamt eingesetzt, welches zuvor ein rein männerbeseztes Fachamt der Stadtverwaltung war. Im Hauptamt geht es inhaltlich um organisatorische Fragen einer Stadtverwaltung und genau darin bestand auch mein Job. Quasi ein interner Unternehmensberater. Juniorlevel natürlich.
Halt. Es gab eine Ausnahme. Die Sekretärin des Amtsleiters. Die war scheinbar heilfroh, das nun eine weitere Frau im Amt war und übertrug mir direkt die ehrenvolle Aufgabe, den Männern des Amtes die Essensmarken für die Kantine zu verkaufen (Ja, das gab es damals). Doch statt wie sie, von Büro zu Büro zu gehen, dachte ich mir “das ist doch bekloppt, ich hänge einen Zettel an schwarzen Brett, wer Marken haben will soll zu mir ins Büro kommen”. Keiner der Männer hat in dieser Woche in der Kantine gegessen. Und ich hatte mein erstes Personalgespräch. Ich könne mir das nicht erlauben. So als junge Frau. Aber die Idee sei ja nicht schlecht. Dies als Anekdote meiner ersten Arbeitswoche in einer Männerwelt.

Mein Job bestand damals darin, den zentralen Schreibdienst der Stadt mit EDV auszustatten und die elektronischen Schreibmaschinen abzulösen. Nach einem Jahr war mein Interesse an IT noch mehr entbrannt als vorher (Vorher: Mit dem ersten Freund am ZX81 rumgelötet). Daher habe ich mich bei der Stadtverwaltung beurlauben lassen (Gott sei Dank, geht das) und mein Fachabi nachgeholt. Dann habe ich meine Beurlaubung verlängert (nochmal dem Verwaltungsgott danken, für die Möglichkeit) und habe Wirtschaftsinformatik studiert. Aus der Not, da weder reine Informatik noch medizinische Informatik damals an einer FH möglich waren oder meine Abinote dem entgegenstand. *hust*

Während der ersten beiden Semester habe ich in den Semesterferien bei der Stadt gearbeitet. Natürlich in irgendeinem Amt, weil mein alter Job längst besetzt war. Am Ende sagte mir der Abteilungsleiter: “Tja, Frau Pickhardt, vielleicht haben Sie ja später mal über eine Frauenquote eine Chance auf eine qualifizierte Stelle”. Konnte ich nix drauf sagen, stand nur mein Mund offen. Später habe ich gedacht, das ist sicher ein sehr verbitterter Mensch.

Grundsätzlich kann ich sagen: Die Frauenquote in meinem Studienjahr war extrem hoch. Ich schätze zwischen 30-40 Prozent. Der prozentuale Anteil der Frauen, die wirklich den Abschluss gemacht haben, war (gefühlt) noch höher.

Mein erster Job war dann in einer kleinen Unternehmensberatung. Als erste Frau in einem Männerteam. Der Seniorchef musste lange überzeugt werden, es mal mit einer Frau zu versuchen. Und er hat mich im ersten Monat extrem in die Mangel genommen. Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, er war generell ein harter Knochen.

Dann kam ein Job in einem großen amerikanischen Softwareunternehmen. Dort habe ich durch viel Glück, den richtigen Zeitpunkt, die richtigen Projekte (die auch gut gelaufen sind) eine, man würde sagen, relativ steile Karriere gemacht. Ich fing an als Juniorberater und war nach knapp 5 Jahren für die strategischen Projekte eCommerce in Deutschland verantwortlich. Meine Vorgesetzten haben mich die ganzen 5 Jahre sehr gefördert. Ich muss allerdings auch sagen, das ich mich immer selbst darum gekümmert habe, wo ich wie arbeite. Die meisten anderen Consultants haben in der Regel darauf gewartet, das ihnen ihr Chef ein neues Projekt zuweist. Dies war bei mir exakt einmal der Fall, nämlich beim ersten Projekt, danach nicht mehr.

Im letzten Jahr bei dem Unternehmen war mein Büro in der Teppichetage. Die hieß nicht nur deshalb so, weil der Teppich besonders flauschig war, sondern auch weil die Geschäftsführung dort saß. Und dort habe ich entscheidende Erfahrungen gemacht. Es geht in Teppichetagen nicht mehr um inhaltliche Projektarbeit, sondern um Machtfragen, um die Sicherstellung der eigenen Vertriebsquoten, die Justierung des eigenen Sessels Richtung Karriere. Unnötig zu sagen, das ich die einzige Frau dort war, zusammen mit einer Assistentin (allerdings eine strategische). Nötig zu sagen, das ich auf verlorenem Posten stand, weil ich den Männersprech nicht gecheckt habe. Oft habe ich nach Meetings erst Stunden später begriffen, um was es *wirklich* ging und wie ich zwischen strategischen Verhandlungsmassen ausgespielt wurde. Ich habe in der Zeit verdammt viel gelernt.

Irgendwann kam der Punkt, an dem mein Job sozusagen offiziell in die Geschäftsführungsstruktur eingebettet werden sollte.
Ich habe das über einen Freund erfahren, den ein Headhunter kontaktiert hatte und der mich fragte, ob ich weggehe, oder warum mein Job frei wird. Nun. Eine Woche später kam der damalige Europachef und erklärte relativ unverblümt: “Sie sind zu jung, zu kurz beim Unternehmen und eine Frau. Deshalb werden wir eine Doppelspitze machen und Sie können mehr inhaltlich arbeiten”. Und da war er, der Kontakt mit der gläsernen Decke. Und was tut eine Frau? Sie ärgert sich und sagt nix. Ich hab mir gesagt: Guck mal, willst Du das denn überhaupt, diese ganze Unternehmenspolitik, die gar nicht mehr inhaltlich orientiert ist? Nee, wollte ich nicht. Nee, dachte ich, kann ich auch gar nicht, da geh ich ja total unter. Und ehrlich gesagt, wäre ich das auch. (typisch Frau, wa? Oder doch gute Selbsteinschätzung?)

Aber egal, ich wollte eh selber ein Unternehmen gründen und habe das dann ein paar Monate später auch gemacht. (mit viel Unterstützung meines alten Unternehmens)
Und ganz ehrlich: Ein weiblicher CEO mit IT Hintergrund in einem StartUP war in der New Economy eine hippe Sache und ließ sich auch sehr gut vermarkten. Meine Mitarbeiter habe ich immer nach Qualifikation eingestellt; habe aber Frauen manchmal bevorzugt, weil ich gemischte Teams besser finde. Einer meiner VCs hat mir mal einen Coach zur Seite gestellt. Nach einem 4-stündigen Gespräch mit mir, wurde mein 50zig Jahre alter Vertriebsleiter zwei Tage lang ausgefragt, ob er nicht in Wahrheit ein Problem damit habe, für eine 30jährige Chefin zu arbeiten. Hatte er aber nicht.

Ich habe in meinem Berufsleben überwiegend mit Männern zusammengearbeitet. (Allerallermeistens sehr erfolgreich, bzw. habe ich mir darüber in der Regel eh wenig Gedanken gemacht.)
Dabei sehr häufig auch mit Männern, die 20 Jahre und mehr älter waren als ich. Meine Erfahrung dabei: Männer (besonders die älteren) wissen meistens nicht, wie sie mit Frauen in Führungspositionen umgehen sollen. Der gelernte testosteron geprägte Männersprech, die Gesten und Sprüche funktionieren nämlich auf einmal nicht. Gerade den älteren Männern ist eine andere Umgangsform mit Frauen anerzogen worden, als die durchsetzungsgeprägte Umgangsform zwischen Männern. Nämlich ein sanfter Umgang, ein stets freundlicher, zuvorkommender Umgang. Das gelernte Muster zieht also nicht. Das macht viele Männer hilflos oder sogar aggressiv. Wohl bemerkt: Das betrifft überwiegend die älteren Semester.

Und ganz ehrlich? Wenn ein Muster nicht zieht, kann das für mich auch vorteilhafte Situationen erzeugen, z.B. Verhandlungen mit Charme zu führen. Stichwort: Charmeoffensive. Warum auch nicht? Wenn ich eines gecheckt hab: ja, natürlich ist es wichtig mit Kompetenz zu überzeugen, aber weibliche Verhaltensweisen deshalb bewußt zurückzunehmen, würde mir heutzutage im Traum nicht mehr einfallen. Aber das musste ich erst lernen.

Doch als mein damaliger Vorstandskollege in Rahmen des Niedergangs der NE unser Unternehmen verließ, bin ich zu meinem Aufsichtsratsvorsitzenden gefahren und habe nach 10 Minuten angefangen zu heulen. Als ich ihn kurz darauf ansah, habe ich gemerkt: Alles klar, dieser Mann wird dir nicht mehr zutrauen ein Unternehmen zu führen.

Kurz darauf, bin ich auch aus anderen Gründen, zurückgetreten. Wer die Geschichte lesen will, kann das hier tun. Meine Unternehmensanteile habe ich 2004 verkauft. Dem Unternehmen geht es heute gut.

Seitdem arbeite ich als freie Beraterin. Mein Tagessatz liegt oft etwas unter dem, was meine männlichen Kollegen bekommen. Natürlich auch deshalb, weil sie von vornherein andere Beträge aufrufen. Da gehöre ich, wie fast alle Frauen, die ich in vergleichbaren Jobs kenne, zu denen die eher “fair” verhandeln als “eigenoptimiert”. Aber ich lerne mit jeder Verhandlung.

So. Das wars erstmal. Sehr persönlich, viel zu lang, aber ich dachte, ich schreibs mal auf.

PS: Meine Meinung zur Frauenquote: Ich will sie nicht (Nachtrag: Ich will sie nicht für mich). Ich vertraue auf die nächsten Generationen von Männern, die mit anderen Rollenbildern aufgewachsen sind und die das nicht die Bohne interessiert.

PS2: Ich habe keine Kinder und kann den Aspekt der mangelnden Kinderbetreuungsmöglichkeiten der Unternehmen nur feststellen aber nicht aus persönlicher Erfahrung beurteilen.

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42 Responses to “Teppichetagen”


  1. 1 tehabe

    Mag sein, dass du sie nicht brauchtest, du hast dich durchgebissen und warst erfolgreich. Viele Frauen werden das anders erleben, sie bekommen nicht die Chance sich in einer Position beweisen zu können, weil viele Männer nicht einmal überlegen eine Frau in Erwägung zu ziehen.

    Dafür ist die Quote gedacht. Sie ist ein Instrument, Bascha Mika (ehem. taz-Chefredakteurin) nannte sie in einem Interview mit dem “Stern” auch eine Krücke, die mal nun einmal brauche, weil mit meinem Bein nicht gehen kann.

    Und da sich Unternehmen nun einmal nur selten von selbst bewegen, müssen sie halt gesetzlich bewegt werden. Eigentlich eine Lehre die man schon vor Jahren in fast jedem Bereich lernen konnte aber irgendwie nie wollte.

  2. 2 augustheater Neu-Ulm

    Hab ich gern gelesen. Schön geschrieben. Erlebnisse und Erfahrujngen – so sind die nun, sie sehen den Sinn des Lebens darin, den Frauen nachzujagen, und wenn sie dazu körperlich nicht mehr in der Lage sind, jagen sie dem Mammon nach und versuchen konkurrierende Männchen auszustechen. Mehr Geld ist lediglich der vermeintliche Ausweis größerer Potenz (in des Wortes verschiedener Bedeutung). Mit dem Geld wirklich was anfangen, können sie nicht, das können nur Frauen. Wenn ich in die Verlegenheit kämme, irgend so eine der beschriebenen Positionen einzunehmen, wäre ich sicher auch ne herbe Enttäuschung – allein schon, weil meine Festplatte alles andere als uptodate ist. Ob da ein update überhaupt noch möglich ist, ist mit Fug und Recht zu bezweifeln.

  3. 3 Picki

    @tehabe
    Ich verstehe Deinen Punkt. Ich habe letztens in einem Wiwo-Kommentarbattle durchaus fast die Quote verteidigt.
    Doch sie hinterlässt bei mir trotzdem einen schalen Beigeschmack.

  4. 4 creezy

    Ich musste sehr lachen über den Absatz in der Teppichetage (okay, über den mit Essensmarken auch schon). Schätzele, haste mal überlegt, worin bei „Ally McBeal“ der besondere Witz mit dem Unisex-Klo lag? Männer fighten am runden Tisch lediglich, präsentieren sich, plustern sich auf, markieren den Pfau. Show. Das eigentliche Business, das eigentliche entscheidende Gespräch passiert nach dem „Aufstand“ kurz nach dem Mittagessen auf dem Klo am Urinal. Du konntest das Männersprech gar nicht checken, denn das Relevante wurde gesagt, wenn Du nicht dabei warst. ;-)

    Die Jungs in der Gesundheitspolitik heulen den Zeit vom Urinal und der Zigarre danach heute noch nach. Geht mit Frauen angeblich alles nicht. Nun …

    Ich liebe Deinen Lebenslauf! ,-)

  5. 5 Picki

    @creezy
    Du meinst, am Ende liegt es daran, dass wir in unterschiedliche Förmchen pinkeln? Kann sein! :)

  6. 6 Mathias Richel

    Liebste Picki,

    unabhängig von deinem sehr persönlichen Text, habe ich die ganze Zeit schon überlegt, wo ich meine kurzen Gedanken zur Quote mal hinsenfen kann. Und in wager Vorahnung, dass das hier eine spannende Debatte wird – Nun denn, hier meine Meinung.

    Quote: Ja. Warum? Kein Chef dieser Welt, kein Personaler dieses Universums, kein verantwortlicher Unternehmer wird fachlich weniger qualifizierte Frauen in Führungspositionen heben, nur weil es die Quote sagt. Nein, verantwortungsvolle Unternehmer werden gezwungen sein, toll ausgebildete Frauen intern und extern zu suchen, um vakante Stellen zu besetzen.

    Und nein, die rot-grünen Selbstverpflichtungen haben nichts gebracht und sind ein gleichstellungspolitischer Griff ins Klo.

    Aber: Ich verstehe jede Frau, die nicht “Quotenfrau” sein will. Das zeigt aber nur, dass bei der Quote nicht Schluss sein darf. Wir brauchen einen Mentalitätswechsel, der Männerbünde und Männerdenken aufbricht und Frauen selbstverständlich in Führungspositionen akzeptiert. Wenn das der Fall wäre, gäbe es (in meiner naiven Vorstellung)auch das “Quotenfrau”-Gefühl nicht. Echte Gleichberechtigung negiert dieses Gefühl. Mit Gesetzen kann man diese Veränderung nicht herbeiführen. Ich glaube da, ähnlich wie du, an die jüngeren und nachfolgenden Generationen. (Kann aber auch nicht sagen, wie optimistisch bzw. naiv das von mir ist.)

    Fest steht: Wir haben ein strukturelles Problem, das Frauen weniger Chancen in Jobs haben. Verdienst, Ehegatten-Splitting (<- schon allein der Name), fehlende Ganztagsbetreuung, mangelnde Wiedereinstiegsmöglichkeiten, Herdprämie (<- schon allein der Name) usw. und sofort. (Wer mir hier SPD-Positionen unterstellt, hat Recht. Und?)

    Eine Sache stört mich allerdings wirklich an der Quote: Verdammt, wir reden hier über hochqualifizierte Jobs in Führungspositionen. Nur die werden damit geregelt. Und ja, würde es die oben schon beschriebenen, nicht regulierbaren Mentalitätsprobleme nicht geben, bräuchten wir die Quote für diese Kategorie Jobs gar nicht.

    Aber: Der durchschnittsdeutschen Frau, mit Karriere und Familienplänen, hilft diese Quote null. Das ist Augenwischerei, weil man an die echten, auch schon beschriebenen strukturellen Probleme für Frauen nicht rangehen will. Im Gegenteil, diese noch verschärft (siehe Herdprämie). So, Feuer frei.

  7. 7 Christian S.

    Kapiere ich nicht. Nach diesen Erfahrungen gegen die Quote sein? Macht für mich keinen Sinn. Aber nunja.

    Unabhängig davon: Respekt; ich kenne die “starken Männer” bisher nur aus der Partei. Auch da ist es oft nervig.

  8. 8 Picki

    @mathiasrichel

    Mein Lieblingsrichel!

    ja, Du hast Recht. Wenn bei vier gleichqualifizierten Bewerbern zwei Frauen darunter sind, wird höchstwahrscheinlich doch ein Mann genommen.
    Und ja, das ist schlecht. Und ja, da hilft die Quote.

    Und möglicherweise würde sie dabei helfen, einen dringend erforderlichen Mentalitätswechsel einzuleiten. Der wäre wahrscheinlich aber erst dann vollzogen, wenn die Generation, die diesen Mentalitätswechsel gar nicht mehr braucht, weil sie ihn sowieso schon inhaliert hat, in die Führungsebenen nachrückt. Männer wie Frauen.
    Aber wahrscheinlich lohnt es sich dennoch, ihn jetzt mit flankierenden Instrumenten einzuleiten.

    Ich ganz persönlich, hätte mental trotzdem ein Problem damit eine Quotenfrau zu sein. Das liegt aber vielleicht auch an meinen Erfahrungen. Oder an meinem Ego. Aber vielleicht wächst sich das auch aus, wenn man dann erstmal in dem Job unterwegs ist.

  9. 9 Christian S.

    PS: In der Politik gibt es schon immer die Quote. Dort heißt es halt nur “Proporz”. Trotzdem wird kein Minister und kein Mandatsträger als Proporzminister geschmäht. Das lassen seltsamerweise nur Frauen mit sich machen.

  10. 10 Christian S.

    PPS: Und wenn ich mich bei meinen Kommilitonen so umschaue, dann muss ich Deine Hoffnung auf einen Mentalitätswandel leider verneinen. Da wachsen neue Betonkonservative nach. Wir brauchen die Quote.

  11. 11 vera

    Schön geschrieben, kommt mir auch bekannt vor.

    Anne Roth hatte einen schönen Link: http://www.youtube.com/watch?v=3Upv4XsR_wY Und ich würde richtig hoch wetten, daß das keinesfalls Satire ist – wenn es Ernst würde, würden die weitaus meisten Männer genau so denken. Noch viel Arbeit -

    Ich würde auch ungern Quotenfrau sein, aber bin dafür, weil es dieser Krücke einfach bedarf.

  12. 12 Jöran

    danke, Picki, sehr schön!

  13. 13 Heinrich von Aspelkamp

    Wie bitte? “Männersprech”? Was bitte soll das sein? Das Gelaber in den oberen “Teppichetagen” ist für Männer, die nicht schon von Beginn an dazugehören, genauso unverständlich wie für Frauen. Es ist sowohl ein Selbstbetrug als auch eine falsche Schuldzuweisung, dies als Frau auf die Geschlechterrolle zurückzuführen. Ohnehin sind die Unterschiede in den Denkweisen zwischen Individuen oft deutlich stärker als die, die man zwischen “den Geschlechtern” zu sehen versucht.

    Ich hatte im Laufe meiner Karriere bisher oft genug mit Frauen in leitenden Positionen zu tun, die die Feinheiten des “Teppichsprech” mindestens genauso gut beherrschten wie ihre männlichen Kollegen, meist sogar besser. Gerade wenn es um betriebsinterne Intrigen und um Pöstchenschieberei und vor allem um Pöstchenverhinderei geht, stehen Frauen in diesen Etagen den Männern in nichts nach, sondern haben ihnen zumeist sogar noch etwas voraus, da sie eben nicht die beschriebene “Rücksicht” gegenüber dem vermeintlich “schwächeren” Geschlecht eingeimpft bekommen haben und somit einen letzten Endes entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben.

    Frauen in Führungspositionen verhalten sich oft wesentlich härter und rücksichtsloser als Männer. Dies darauf zurückzuführen, daß sie den Aufstieg nur dadurch geschafft haben könnten, daß sie versucht hätten, “männlicher als die Männer” zu sein, halte ich für zu kurz gefaßt. Mir scheint für dieses Verhalten umgekehrt viel eher die Motivation ausschlaggebend zu sein, “es den Kerlen mal so richtig zu zeigen”, was jedoch von angeblichen, klassischen “weiblichen” Verhaltensweisen (Verständnis und so weiter) weit entfernt ist.

    In einer solchen Welt ist eine Frauenquote nun allerdings völlig fehl am Platze. Frauen, die nur durch eine Quote befördert werden und dann auf Augenhöhe mit solchen weiblichen Führungskräften zu tun hätten, die den Aufstieg bereits vor ihnen aus anderen Gründen geschafft haben, würden in der direkten Konfrontation sang- und klanglos untergehen. Genau wie übrigens auch männliche Kollegen, die nicht durch ihre Eignung für das Stahlbad der “Teppichetage”, sondern durch andere Faktoren wie z. B. fachliche Qualifikation den Segen (oder Fluch?) einer Beförderung erfahren haben.

  14. 14 tessa

    Danke, das war ein interessanter Einblick. Mir kommt einiges – trotz meiner vergleichsweise kurzen Berufslaufbahn – sehr bekannt vor, und da kommt der hier angesprochene “Mentalitätswechsel” ins Spiel.
    Ich habe in meinem letzten Job zwei Jahre lang ausschließlich mit 20 Jahre älteren Männern zusammengearbeitet und mein größtes Problem war, dass ich genau gemerkt habe, dass sie überfordert sind mit mir normal umzugehen, keine väterlichen Gefühle für mich zu hegen, nicht jedes Mal zu erschrecken wenn ich hart argumentiere und aus der Rolle der jungen, hübschen, eher stillen Frau herausfalle. Und man fand es schick, eine junge Frau in einer Führungsposition zu haben.

    Ein Tipp, den ich von einer anderen Frau bekommen habe, ist: such dir Chefs, die Töchter in deinem Alter haben, die sind sensibilisiert für die “gläserne Decke” und können besser mit Frauen umgehen. Und die Männern, die keine Töchter, keine Schwestern, keine Freundinnen und Frauen haben die berufstätig sind, brauchen dringend eine Menge Frauen um sich herum, um sich daran zu gewöhnen, dass sie da sind. Denn das nicht Fördern von Frauen beruht aus meiner Sicht nicht auf Boshaftigkeit oder der Anstrengung unter Männern bleiben zu wollen, sondern auf nicht vorhandener “Genderkomopetenz” und der Fähigkeit einschätzen zu können, wie man Menschen, die sich vom klassischen, einfältigen Bild des Führungsperson absetzen, im Unternehmen platzieren kann.

    Die Quote – und da hat Mathias Recht – ist solange sie nur für Aufsichtsräte und Vorstände ist ein symbolpolitischer Witz, wenn auch ein Anfang. Einee “Charta für familienbewusste Arbeitszeiten” ist eine Frechheit, denn was soll ich als ledige, kinderlose Frau mit der “familienbewussten” Zeit anfangen? Vögeln, damit ich schnell eine Familie bekomme? Werden Frauen in der Debatte gerade nicht in die Mütter Ecke gedrängt, ein sehr traditionelles Familienbild aufrechterhalten und nun Wege gesucht, wie vorrangig immer noch die Frau Familie und Beruf vereinen kann?

    Ich hätte von den Herren gerne mal ein paar Ideen zum “Mentalitätswechsel”. Debatten über die fehlenden Frauen in der Wirtschaft beginnen nämlich auch erst immer durch den Anstoß durch Frauen. Ich habe selten einen Mann gehört, der sich von sich aus wunderte, wo die Damen denn geblieben sind.

  15. 15 Nicole Haase

    Wunderbar – ließ sich gut nachempfinden!
    Den erfolgreichen Einsatz der Charmoffensive habe ich leider erst sehr spät gelernt. Absolut empfehlenswert.

    Die hilflosen, teils aggressiven Reaktionen auf ein mangelndes gelerntes Kommunikationsmuster ist mir auch bei jüngeren Exemplaren begegnet. Höchstwahrscheinlich solchen, die sich ausschließlich an alten Vorbildern emporgehangelt haben.

    @Mathias Richel: Davon kann ich Vieles unterschreiben. Die Quote ist aus meiner Sicht keine Lösung, nicht wirklich Hilfe und kein Weg. Weshalb werden Arbeitgeber nicht dazu angehalten familienfreundlichere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Das könnte auch eine Lösung für den vielbesungenen Fachkräftemangel bringen…

  16. 16 ingo scholz

    Liebe Picki,
    ich bin ja altersmäßig bedingt ein zwangssozialisierter Feminist.
    Du weisst schon: lange problemorientierte Zimt-Teegespräche, Räucherstäbchen, Verena Stefan lesen, Märchenprinz…
    Schön, dass Du hier sehr persönlich begründest, warum ich Dich mag. Mein Respekt für Deine Offenheit und dasss Du Dir nicht zu schade bist auch Deine Ambivalenz zu beschreiben.

  17. 17 Picki

    @tessa
    ja, Du beschreibst sehr gut exakt meine Erfahrung.

    Bei dem Männer mit Töchtern Tipp sehe ich das allerdings etwas anders. Ich glaube, das speziell die ältere Generation, sowie nicht möchte, das ihre Töchter Karriere “bis ganz nach oben” machen. Ich weiss, das ist jetzt ziemlich pauschal.
    Beispiel dazu: ein Vorstand (ca. 65) der Preussag sagte mir mal: Ich habe ja auch eine Tochter in ihrem Alter, aber sowas wie sie würde die nie machen” – allerdings in einem Tonfall der eher abfällig war. Dazu passte, das er mir seine Visitenkarte auf den Tisch warf mit den Worten: “Hier Mädchen, für Ihre Visitenkartensammlung”.
    Doch ein anderer Vorstand des gleichen Unternehmens hat mich absolut respektiert und unterstützt.

    @nicole
    Bei jüngeren Kollegen habe ich bisher so ein richtig krasses Anti-Frauen in Führungspositionen bisher nicht erlebt.

    @ingo
    ich danke Dir!:) und Märchenprinz…Ha….das hole ich mir nachher nochmal aus dem Bücherregal :)

  18. 18 Alexander Rausch

    Ich hatte zuerst gelesen die Teppiche tagen.

    Danke für deine Geschichte. Ich denke auch, dass die Zeit um Quoten kämpfen zu müssen “durch” ist und wir auf die nächsten Generationen vertrauen können. Alles andere funktioniert nicht.
    Das sehen wir ja.
    Es geht um eine innere Haltung und um Wertschätzung. Die gibt es nicht per Gesetz und/oder Quote – und wenn doch, dann ist sie nicht ehrlich gemeint, sondern nur eine Statistik…

  19. 19 miss_z

    Herzlichen Dank für den Beitrag.

    Wir haben wohl ziemlich ähnliche Erfahrungen in männerdominierten Berufen gemacht und ehrlich gesagt: im Nachhinein finde ich es gut, diese Erfahrungen -auch wenn sie zum Teil ziemlich mies waren- gemacht zu haben. Solche vitae führen womöglich entweder zu Haaren auf den Zähnen, Selbstmord, Lesbentum, manipulativem Abwehrmechanismus oder eben zur Selbständigkeit resp., dass man der Firma seinen Stempel aufdrückt- bevor man/frau geht:).

  20. 20 miss_z

    jetzt fehlt noch Deine Sexualanamnese seit der Jugend und ich muss Dich beim nächsten Mal zum besseren Kennenlernen nicht ausfragen.

  21. 21 Sascha Stoltenow

    Prima Text. Ich habe tolle Erfahrungen mit paritätischen Besetzungen von Podien und Jurys. Die Ergebnisse sind gut, und die Männer merkens nicht einmal. Im Übrigen würde ich mich über eine ganz andere Quote freuen: 50% nicht mittelalte weisse Männer – das bin ich selbst. Ein Schritt dahin könnten paritätisch besetzte Auswahlgremien sein.

  22. 22 AZ

    Ich bin 30 und habe als Kommunikationsdesigner immer sehr gerne mit Frauen in verschiedenen Positionen zusammengearbeitet. Die Arbeit ist durchaus entspannter, da weniger Testosteron benötigt wird. Trotzdem würde ich grundsätzlich sagen, dass gleiches Recht für alle gilt. Sprich wer sich als Frau nicht durchsetzen kann im Unternehmen, wird es schwer haben das Unternehmen durchzusetzen. Ganz zu schweigen davon, dass Frauen keine heiligen Kühe sind und alles immer richtig machen. Gerade Generation “Spice Girls” überschätzt sich gerne und stellt Machtansprüche, die nicht gerechtfertigt sind im Verhältnis zur Leistung. Daher stehe ich gerne für natürliche Gleichberechtigung ein und nicht für aus den Hut gezauberte Prozentsätze.

  23. 23 Paulina

    Die neue Männergeneration hat einen vorbildlichen Proponenten – den Autoren Peter Redvoort (Bücher wie z.B. “Die Söhne Egalias”)! Ermutigend, Schwestern!

    Paulina

  24. 24 Bleedranner

    Das ist kein “Männersprech” das ist Managersprech, und das können Frauen im Management teilweise besser als Männer.
    Das mit den älteren Semestern kann ich so auch nicht unterschreiben, liegt vieleicht daran, dass Sie ihre Erfahrungen im Westen gemacht haben.
    Sonst triffts der Artikel ziemlich genau, besonders das Fehlen inhaltlicher Arbeit ab einer gewissen Etage kann ich nur bestätigen.

  25. 25 Anonym

    In deinem Text habe ich mich an vielen Stellen wieder gefunden, da ich sehr ähnliche Erlebnisse “durchlitten” habe. Als ich in der “Teppichetage” angekommen war, hab ich ebenso wie du gemerkt, dass mir das inhaltslose rumgesülze überhaupt nicht liegt und ich hier nicht alt werde. Der Unterschied ist nur, dass ich dann auch die entsprechenden Konsequenzen gezogen habe und nicht so wie du darauf gewartet habe, dass mich jemand absägt.
    Dies ist der Grund warum ich heute nicht, anders als du, anderen die Schuld für meinen Werdegang geben kann – oder gar fordern kann, dass sich doch bitteschön die Anderen zu ändern haben.

    Aber vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich keine Frau bin und alleine deshalb kein Recht habe zu fordern, dass die anderen sich ändern sollen, weil meine Karriere nicht so lief wie ich es wollte. Von Männern wird ja schließlich erwartet, dass sie ihr Leben und ihre Karriere in die Hand nehmen und nicht von anderen abhängig machen. Wie absurd wäre es da, wenn man(n) so wie du, die Schuld für die eigenen Unzulänglichkeiten in der Gesellschaft sucht. Noch absurder wäre es aber, wenn ich einen Werdegang beschreiben würde, der zweifelsfrei beweist, dass Mann/Frau auch wunderbar ohne Quote bis in die Teppichetage raufkommt und dann die Quote einfordere, weil das was ich erreicht habe für andere gar nicht möglich ist. Woran liegt das wohl? Muss wohl an der Gesellschaft liegen. Die muss sich ändern. Ganz klar.

  26. 26 Picki

    @Anonym
    Ich denke nicht, das ich die Schuld meiner eigenen Unzulänglichkeiten in der Gesellschaft suche. Es ist wohl eher das Gegenteil. Ich suche sie bei mir. Und das ist auch ein Problem vieler Frauen in Führungspositionen oder vll auch ein Grund, das sie diese nicht wollen, da sie ständig die Schuld bei sich selbst suchen.
    Ausserdem: Wie kommst Du darauf, das ich gewartet habe, das mich jemand absägt? Oder meinst Du damit, das ich meinen Mund nicht aufgemacht habe? Habe ich nämlich nicht. Stimmt. Weil es mir, wie ich oben schrieb auch nicht wert war. Also habe ich wohl die gleiche Konsequenz gezogen wie Du, oder?
    Bist Du irgendwie unzufrieden?

  27. 27 Dirk

    Nur mal eine Frage in die Runde, hat keiner Bedenken das die Quotenfrauen nicht ernst genommen werden könnten nur weil sie Quotenfrauen sind?

    @Nicole wie groß der Fachkräftemangel in Deutschland ist habe ich bemerkt als wir Deutschland verlassen haben weil wir keine adäquaten Stellen gefunden haben.

  28. 28 Picki

    @Dirk
    Ich habe die Bedenken schon. Aber vor allem würde ich selbst einen enormen Druck spüren, mich nun doppelt beweisen zu müssen – um eben dem entgegenzuwirken. Daher müsste sich meiner Meinung nach bei einer Quote auch die Einstellung vieler Frauen ändern, diesen Druck eben nicht aufzubauen.

  29. 29 das ich

    @picki

    das war interessant zu lesen. gerade auch für mich als it’ler, politisch aktiver und vertreter des männlichen geschlechts. daher ein paar bemerkungen ;-)

    es geht nicht primär um die andere art des pinkelns, sondern ob man überhaupt kann neben einem solchem alpha-tierchen. ;-) egal ob weiblich oder männlich. weswegen eben über maggie thatcher gesagt wurde, keiner ihrer minister könne noch pinkeln, wenn sie aufs klo käme…
    der ausdruck, jemanden ans bein pinkeln (können) beschreibt es sehr gut: wer dazu real nicht in der lage ist (neben seinem konkurrenten am pissoir zu stehen, sich umzudrehen und ihn anzupinkeln), hat probleme, als ‘leader’ ernst genommen zu werden. dies gilt zumindest in der politik (wo ich mich, was machtfragen betrifft, besser auskenne) – und es geht dabei nicht darum, daß man es wirklich real macht, sondern das die unterstützer es einem zutrauen!

    klar, nicht das diese behauptungen nicht strittig wären :-) gerade in der partei, in der ich seit ’86 tätig bin und die eben eine klare 50% quote hat. wenn ich da sowas sage (und ich mache es, bringt immer wieder spaß und freude LOL), sind die meisten empört – aber lange nicht alle, gerade frauen teilen solche biologistische sichtweise…

    mein fazit jedenfalls aus all meinen erfahrungen in den jahrzehnten ist ein komplett anderes, als das ihre: ohne quote geht es nicht.

  30. 30 Mann

    Ich bin ja eher für eine Frauenquote bei den Obdachlosen. Da gibt es nämlich auch 90% Männer. Also es besteht dringend ein Handlungsbedarf! ;-)

  31. 31 Ali Schwarzer

    Und was war dann nach dem Personalgespräch? Kamen dann die Herren ins Büro und haben ihre Essensmarken abgeholt? :D

    Ich kann dir aber versichern, dass nicht nur Frauen nicht unbedingt protestieren, wenn sie geschasst werden; zumal auf so eine unverschämte Weise. Das kann uns Männern auch so gehen. Wie wir darauf reagieren, hängt u.a. davon ab, wie wir erzogen wurden und auf welche Weise wir behandelt werden. ;)

    Eigentlich wollte ich total optimistisch schreiben, dass sich das Problem in naher Zukunft von allein erledigen dürfte, weil die jetzt heranwachsenden Männer völlig anders sind. Zwar haben die wenigsten in meinem Umfeld problemorientierte Zimtteegespräche hinter sich, allerdings sind sie offener, was die Mann-Frau-Kiste angeht.

    Allerdings stimmt schon, was jemand weiter oben schrieb: Wenn ich mir meine Kommilitonen in Bayern angucke dann wird mir gleich ganz anders, wenn ich sehe, wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass Frauen mit der Geburt des ersten Kindes daheim zu bleiben haben. Wer das nicht macht, ist eine Rabenmutter.

  32. 32 der Blob

    Nun meine Meinung zu dem Thema:

    ich bin ebenfalls in der IT-Welt zu Hause und mit dieser “Brille” spreche mich klar gegen eine Frauenquote aus.

    Einerseits habe ich generell Probleme damit, Unternehmen solche Vorschriften zu machen. Das ist keine Sache des Staates und man sollte auf die Marktkräfte vertrauen. Andererseits besteht die große Gefahr der “Quoten-Frauen” – hat jemand aufgrund seiner Kompetenz oder aufgrund seines Geschlechts den Job bekommen?

    Bei uns funktioniert das aktuelle System gut, beispielsweise ist unsere Entwicklungs-Chefin weiblich. Daneben gibt es noch eine Reihe von Projektconsultants etc. Im Vergleich sind Frauen aber unterrepräsentiert, was mich aber auch nicht wundert in Anbetracht der Tatsache, dass an der FH bei der Wirtschaftsinformatik 18 Männer nur zwei Frauen gegenüberstanden. Gerade in den technischen Berufen müssen Frauen noch selbstbewusster werden! Der Bedarf ist auf jeden Fall da. Wir nehmen jeden Entwickler, der die Anforderungen erfüllt – unabhängig ob Mann, Frau, Ausländer, Alter etc. Wir könnten es uns garnicht leisten, auf so etwas Rücksicht zu nehmen.

    Frauen sind eine große Bereicherung im Berufsleben, da reine Männergruppen häufig zu testosterongeladen sind, um über die eigentlichen Themen zu sprechen. Mir ist schon häufig aufgefallen, wie sich das “Raumklima” zum positiven ändert, sobald eine Frau anwesend ist. Mein Appell ist daher keine Forderung nach einer Quote sondern folgender: Frauen dieser Welt, traut euch in die klassischen Männerdomänen – nie war es einfacher als heute!

  33. 33 Katarina

    Hm, ich seh das teils genauso, teils anders. Zum einen glaube ich nicht dass eine neue Männergeneration hinterherwächst. Die erfolgreichen, die “Macher”, die die hochkommen, sind noch genauso. Das ist ein ganz bestimmter Umgangston, ein ganz bestimmtes Auftreten, und das hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht verändert.
    Der zweite Punkt, den ich noch hinzufügen möchte, ist, dass Frauen in Führungspositionen teilweise schwer erträglich sind. Aus eigener Erfahrung habe ich nicht gerne weibliche Vorgesetzte, weil die, die ich hatte, immer zu emotional mit ihrem Beruf umgingen. Zum Beispiel hatte ich eine Chefin, die in jeder Besprechung losgeheult hat, wenn was nicht nach ihrer Nase lief. Das ist zwar ein Extrembeispiel, aber mit sowas kann ich nicht arbeiten. Und, ich nehm mich da selbst gar nicht aus. Ein Kollege von mir hat mal einen Job bekommen, den ich haben wollte. Ich hatte die Qualifikation und war verdammt gut darin, er hatte das noch nie gemacht, aber den Job bekommen weil er den Kollegen symphathischer war. Ich hab daraufhin zwei Wochen nicht mit ihm geredet, obwohl er natürlich überhaupt nichts dafür konnte. Hab mich auch anschliessend entschuldigt ;) Aber gut, sowas will ich bei einem Vorgesetzten nicht sehen. (Und nein, ich möchte auch keine Führungsverantwortlichkeit haben. Ich weiss, dass ich dafür nicht sonderlich geeignet wäre und auch keinen Spass daran hätte)
    Nach diversen Firmen und über zwei Jahrzehnten Berufsleben gibt es aber gefühlt eine Menge Leute, die die gleiche Erfahrung mit weiblichen Vorgesetzten gemacht haben.
    Nun noch der Widerspruch: für die Quote bin ich trotzdem. Nicht für mich, siehe oben, aber ich glaube beide Seiten müssen umlernen. Die männliche Managerriege muss sich umorientieren, und Frauen müssen dazulernen sich im Beruf entsprechend zu verhalten, und daran dass sowas von alleine wächst wie es sollte glaube ich nicht mehr.

  34. 34 Steffen

    Ich bin nur zufällig auf diese Seite gelangt, doch zum angesprochenen Mentalitätswechsel kann ich vielleicht etwas beitragen. Wie es bei älteren Männern ist, kann ich schlecht einschätzen, weil ich erst 22 bin, doch in meinem Bekanntenkreis ( 20 – 30 Jahre) kenne ich keinen Mann, der ein Problem mit einer Frau als Vorgesetzten hätte. Wenn es bei uns Gruppenarbeiten o.ä. gibt ist es auch normal, wenn eine Frau den Ton angibt. Es kommt schlichtweg auf die einzelnen Menschen an, das Geschlecht spielt dabei keine Rolle.

  35. 35 K.

    Es gab genug Generationen an Zeit, damit sich das Problem von selbst erledigen kann. Das hat es aber nicht. Und ich bin auch wenig optimistisch, dass es dies nun, auf ein mal und ohne Hilfe, mit der nächsten Generation tut, obwohl oder gerade weil ich ihr angehöre. Da hilft es auch wenig sich anzuschauen, was junge Menschen und Männer sagen, denn wir sind in unser rhetorischen Modernisierung sehr viel weiter als in der realen. Zudem erledigen sich Strukturen selbst bei einem beginnenen Mentalitätenwechsel nicht von heute auf morgen und auch bei einer völligen Offenheit und dem Auslöschen sämtlicher Mentalitäts-Geschlechter-Vorurteile gäbe es wohl noch den Nachteil der Gebärfähigkeit. Ich finde es ist, nach all den Jahren in denen sich von allein hätte etwas tun können, jungen Frauen jetzt und heute nicht zuzumuten immer noch unter Benachteiligungen zu leiden.
    Und nein, ich hätte kein Problem damit, Quotenfrau zu sein. Aber sehr wohl eines damit bei gleichen Qualifikationen nicht eingestellt zu werden. Beweisen muss ich mich wohl so oder so als Frau in hohen Positionen – bei einer Quote bin ich zumindest in den meisten Fällen nicht die einzige auf weiter Flur und das Unternehmen muss sich nun mal damit arrangieren, weibliche Vertreter auf höheren Etagen zu haben, statt sich weiterhin um das Problem zu drücken.

  36. 36 Ali Schwarzer

    Katarina, ich hätte dich wohl danach zwei Monate angeschwiegen. *lol*

  37. 37 karl

    Als relativ eigenständiger Leiter einer mittelgroßen IT-Abteilung (der auch selbstständig einstellen kann), stelle ich hin und wieder auch ein. Das sind Männer, aber auch Frauen – das Problem: es gibt nicht genügend qualifizierte Frauen, die sich bewerben. Genauso, wie es im Kindergarten meiner Kinder nicht genügend männliche Betreuer gibt (ich empfinde das wirklich als Problem, das angegangen werden müsste).

    Käme eine Quote in dieser Hinsicht, hieße das für mich tatsächlich “Quotenfrauen” einstellen, die man dann für teures Geld zum Kaffee kochen verwenden muss. Qualifizierte Frauen werden bei Bewerbungen sofort eingestellt – schließlich brauche ich gutes Personal. Da ist das Problem und eine Frauenquote würde im Endeffekt nur Dienstleistungen verteuern, aber keine Probleme lösen.

    Im Gegenteil: es müsste in der Erziehung Männerquoten geben – siehe auch die Studien, nach denen Mädchen in der Schule besser abschneiden, da die Lehrerinnen bzw. der Lehrplan auf Mädchen ausgerichtet sind.

  38. 38 Soccerwidow

    Danke fuer den Artikel!!!!!!! Super!
    Auch ich bin eigentlich nicht fuer eine Frauenquote (gefuehlsmaessig), aber vielleicht doch (rational)? In Norwegen soll das wirtschaftliche Wunder bewirkt haben, als Frauen in grossen Aktiengesellschaften in die Chefetagen mit Quoten rueckten. Manche Unternehmen hatten aber ihre Sitze aus dem Land ausgelagert im Prozess, habe ich gelesen.

  39. 39 Ermelinda Lasch

    Endlich mal ein Blog, der echte informative Artikel veröffentlicht. Leider ist im deutschen Netz die Bloggerei nicht besonders ausgeprägt, hier hat der Besucher aber einen echten Mehrwert. Ich finde auch teilweise die Diskussionen sehr informativ. Da sieht man, dass sich jemand echte Mühe gemacht hat.

  40. 40 Delmy Poncho

    Der Blog ist klasse, aber bei mir sind die Zeiten zum Laden der Seite ziemlich lang. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass es an der Verbindung liegt, andere Web sites sind sehr schnell. Haben andere Leser auch schon diese Erfahrung gemacht?

  1. 1 Thomas Vogt | Gedanken zur Quote | thomasr-vogt.de
  2. 2 Warum die Frauenquote auch nur der Versuch einer hochdosierten systemischen Anwendung ist | Kassanjas Blog

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