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Social Politics

02.05.11 | 4 Comments

Was denkt wohl ein Biz Stone, wenn er in den Fernsehansprachen von US Präsident Obama, in der Rede von Angela Merkel bei der Sicherheitskonferenz (ok, das interessiert ihn eventuell nicht so) zur Situation in Ägypten mehrfach die Wichtigkeit seines Social Network Dienstes Twitter bestätigt bekommt? Was geht durch den Kopf von Mark Zuckerberg, wenn Millionen Menschen ihre politischen Proteste auf seiner Plattform organisieren?

Keine dieser Plattformen ist explizit als Tool für politische Meinungsbildung angetreten, doch längst gehen sie über das reine Vernetzen von weltweit verstreuten Freunden, Interessensteilern und mehr oder weniger guten Werbeauftritten von Firmen hinaus.

Die Social Networks werden zu dem, was dem Ideal eines demokratischen Staates entspricht. Biz Stone und Mark Zuckerberg geben ihren Nutzer eine Plattform für den Ausdruck von Meinungsvielfalt; bieten Möglichkeiten in Fanseiten Mehrheiten zu bilden und sie zu diskutieren – und mit denen die User am Ende versuchen gegenüber Staaten diese Interessen auch realpolitisch durchzusetzen.

Der Staat Facebook ist ein Vielvölkerstaat, dessen Staatsangehörigkeit durch freie, selbstbestimmte Registrierung erfolgt. Den König hat das Volk zwar nicht selbst auf den Thron gesetzt (wie ginge das auch in einer Monarchie) und dennoch wählen wir ihn durch unser Login jeden Tag neu in dem wir seine Dienste in Anspruch nehmen. Das der König Zuckerberg 1000-fach mehr Dinge über uns weiß, als der Staatsapparat in dem wir leben und den wir durch Wahlen legitimieren, ist uns dabei relativ egal.

Erna in ihrem Buxtehuder Wohnzimmer und Chantalle in ihrer Küche in Schmölln-Putzkau klicken sich auf einem Browsertab in den “Million Marsch” der ägyptischen Protestbewegung, während sie gleichzeitig in einem anderen Browsertab das runtergesetzte Ed Hardy Kopfkissen bei brands4friends bestellen.

Das ist nicht verwerflich, das ist demokratischer realpolitischer Volksalltag.
Im Gegenteil. Erna und Chantalle klicken, was die Clique klickt. Revolution ist geil. #ilike. Und sie zeigen damit wahrscheinlich schon mehr politisches Interesse als für die eigene deutsche Lokalpolitik. Im Staate Facebook strengt die Meinungsäußerung viel weniger an.

Die auf dieser Weise ausgedrückte politische Meinung mündet entweder in ein lokal brisantes Thema oder immer häufiger auch in internationale Revolutionsunterstützungen. Der dadurch aufgebaute Druck auf Politiker ist mitunter immens. Doch wie soll sich in Zukunft langfristig orientierte Politik aus den teilweise schnell wechselnden öffentlichen Meinungsbildern, die noch dazu von nicht authentifizierten Usern geprägt sind, der Social Networks entwickeln und wollen wir das überhaupt?

Auch Biz Stone und Mark Zuckerberg sind letztendlich allein agierende Könige, die zwar auf Druck ihrer Bewohner kritische Entscheidungen zurücknehmen, aber am Ende allein über unser Wohl und den Grad unserer Freiheit entscheiden. Und sich vor allem in Zukunft mehr und mehr im internationalen politischen Machtraum positionieren werden müssen.

Welchen politischen Bewegungen wird mehr Raum zur Meinungsäußerung gegeben, welchen nicht? Google und Twitter starten “voice2tweet” (extrem begrüßenswert), hätten sie aber nicht gemusst. Hier wird die Trennlinie zwischen unternehmerischen Interessen, medialen Infrastrukturangeboten und der Möglichkeit politischer Einflussnahme durch Bereitstellung oder Entzug von Plattformen sehr dünn.

Doch eines ist sicher, und das ist extrem gut:

Social Politics zwingt jeden Politiker und jede Regierung ob demokratisch oder nicht, zur permanenten Legitimation ihres Machtanspruchs. Und permanent heißt mitunter täglich und auf keinen Fall im Zeitraum von Wahlperioden.

Das ist das Neue.
Das ist das Revolutionäre.
Das ist der Pulsschlag des Facebook-Volkes.

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Auch @mspro hat bereits zum Thema “Postnationales Zeitalter” philosophiert.

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