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Krise im TV in der Krise?

02.02.11 | 10 Comments

Auf Twitter häufen sich seit Beginn der Unruhen in Ägypten die Beschwerden über einen mangelhafte (live) TV-Berichterstattung aus dem Krisengebiet. Während sich am Wochenende die Situation in Kairo und Alexandria zuspitzte, schien es so, dass lediglich Al Jazeera eine breitere und vor allem Live-Berichterstattung liefert. Natürlich ist man als Net-Citizen nicht auf das KabelTV angewiesen, sondern schaut eh CNN oder eben Al Jazeera im Netz. Klar. Aber auf wieviele Menschen in Deutschland trifft das zu? Immer noch auf Wenige, denke ich.

Auch stellt sich natürlich die Frage, wieviel weltweite Krisenberichtserstattung braucht es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Ich weiss es nicht.

Doch nicht nur die deutschen Sender scheinen am Wochenende versagt zu haben, auf Twitter sind ähnliche Tweets aus USA zu lesen.

Das Gefühl über eine “nachlässige” Nachrichenlage scheinen also nicht nur wir hier in Deutschland zu haben.

Woran liegt das?
Sind die TV-Sender von den Ereignissen wirklich so überrascht worden, das die Reporter erstmal warmlaufen mussten? Wohl kaum.

Mir scheint es eher so zu sein, dass man sich ohne eine Aussage der eigenen Regierung lieber zurückhält, schließlich ist hinreichend bekannt, dass der Westen grosses Interesse an einer stabilen Situation in Ägypten hat. Vielleicht wollte man auch erstmal abwarten, wie sich die Lage entwickelt, bevor Sendepläne geändert werden.

Aber, um die Frage von oben nochmal aufzugreifen: Wieviel Live-TV Berichterstattung brauchen wir von weltweiten Krisenherden? Nun ja, wenn Ägypten so fundamental wichtig ist für unser eigene politische Lage, dann kann die Antwort nur sein: Sehr viel. Verbunden mit sehr viel Er- und Aufklärung.

Da ich mich am Wochenende echt geärgert habe, im deutschen TV so wenig über die aktuellen Entwicklungen zu erfahren, habe ich am Montag der ARD eine Mail geschrieben.

Hier Auszüge aus der Antwort der Programmdirektion:

Wir bedauern Ihre Kritik an der Programmgestaltung im Ersten.

Das Erste hat am Freitagabend nach der “Tagesschau” einen Brennpunkt “Aufruhr in Ägypten” gesendet.

Im weiteren Verlauf berichteten die Informationsformate des Ersten kontinuierlich über die Situation in dem nordafrikanischen Staat. Mehrere Kommentare in den “Tagesthemen” befassten sich damit, und auch der “Weltspiegel” gestern sowie das “Europamagazin” am Samstag berichteten in Programmschwerpunkten über die Lage in Ägypten.

Damit sind wir unserem Programmauftrag ausreichend nachkommen und die Zuschauer hatten die Möglichkeit, sich zur besten Sendezeit über die wichtigsten Vorgänge zu informieren. Das Erste wird auch in Zukunft versuchen, seinen öffentlich-rechtlichen Programmauftrag so gut wie möglich zu erfüllen.

Nun gut. Die ARD und ich haben offensichtlich ein unterschiedliches Verständnis von ausreichender Berichterstattung.

Seit dem Wochenende hat sich aus meiner Sicht die Berichterstattung jedoch deutlich verbessert. Obwohl es mir schon unverständlich war, wieso im ZDF die Mubarak Rede gestern einfach unterbrochen wurde. Vielleicht wurde das ja begründet, ich weiß es nicht, ich hatte den Ton über Al Jazeera laufen.

Nachtrag 22.18 Uhr:
Anscheinend ist die Situation für TV-Journalisten heute wirklich gefährlich. Das ist für mich ein legitimer Grund eine Live-Berichterstattung zu reduzieren.

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