Archive for Februar, 2011

Meine Kritik zu “inside Wikileaks”

Am Freitag habe ich mir das aktuell erschienene Buch “inside Wikileaks” von Daniel Domscheit-Berg gekauft. Für stolze 18 Euro.

Mein Fazit in einem Satz:
Der wahre Grund für die Existenz dieses Buches erschließt sich mir nicht.

Begründung:
Dem Fazit von golem.de und der Kritik der Sueddeutschen kann ich mich anschließen.

Ich finde dieses Buch unnötig, weil es niemandem und keiner Sache hilft voranzukommen. Mich interessieren beim Thema Wikileaks, Whistleblowing und Informationsfreiheit weder der Umgang mit Katzen, noch stinkende Nerdklamottenessenshaufen oder Bügelfaltenvorwürfe. Auch die Einblicke in die Kommunikationsprobleme zweier Egos finde ich eher irrelevant, weil sie so beliebig austauschbar sind.

Manchmal hatte ich den Eindruck, der Umgang zwischen Assange und Domscheit-Berg hat strombergeske Züge. Aber dafür ist die Hintergrundthematik und vor allem deren Zukunft doch eigentlich viel zu ernst und wichtig. Inhaltliche Auseinandersetzungen zwischen den beiden werden leider immer nur angerissen.

Und deshalb kann ich den Grund für dieses Buch, zu verhindern dass ein Popkult entsteht, nicht nachvollziehen, wenn es Domscheit-Berg nur um “die Sache” geht, wie er sagt. Und ich bin im Grunde geneigt ihm das zu glauben. Dieses Buch macht mir das jedoch sehr schwer.

Das Schlimmste jedoch ist, das mir dieses Buch vermittelt grundsätzlich die Glaubwürdigkeit und Sicherheit von Whistleblowing Plattformen in Frage zu stellen. Jetzt und in Zukunft. Und ja, natürlich sollte man nicht blind einer solchen Plattform vertrauen. Aber nach diesem Buch werde ich wohl weder Wikileaks noch Openleaks jemals irgendwelche Informationen zur Verfügung stellen (wenn ich was zu leaken hätte).
Das kann doch nicht die Intention gewesen sein?

PS: Dafür das auf dem Cover des Buches nur der Name von Daniel Domscheit-Berg steht, bei Amazon aber Tina Klopp ebenfalls als Autorin genannt ist, gibt es bestimmt eine einfache Erklärung, oder?

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Teppichetagen

Ich erzähle jetzt mal meine Quoten-Geschichten.

Also:
Ich habe mal eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte gemacht. Damals, mit 16 Jahren und Realschulabschluss.
Nach meiner Ausbildung wurde ich übernommen und wurde danach als erste Frau im Hauptamt eingesetzt, welches zuvor ein rein männerbeseztes Fachamt der Stadtverwaltung war. Im Hauptamt geht es inhaltlich um organisatorische Fragen einer Stadtverwaltung und genau darin bestand auch mein Job. Quasi ein interner Unternehmensberater. Juniorlevel natürlich.
Halt. Es gab eine Ausnahme. Die Sekretärin des Amtsleiters. Die war scheinbar heilfroh, das nun eine weitere Frau im Amt war und übertrug mir direkt die ehrenvolle Aufgabe, den Männern des Amtes die Essensmarken für die Kantine zu verkaufen (Ja, das gab es damals). Doch statt wie sie, von Büro zu Büro zu gehen, dachte ich mir “das ist doch bekloppt, ich hänge einen Zettel an schwarzen Brett, wer Marken haben will soll zu mir ins Büro kommen”. Keiner der Männer hat in dieser Woche in der Kantine gegessen. Und ich hatte mein erstes Personalgespräch. Ich könne mir das nicht erlauben. So als junge Frau. Aber die Idee sei ja nicht schlecht. Dies als Anekdote meiner ersten Arbeitswoche in einer Männerwelt.

Mein Job bestand damals darin, den zentralen Schreibdienst der Stadt mit EDV auszustatten und die elektronischen Schreibmaschinen abzulösen. Nach einem Jahr war mein Interesse an IT noch mehr entbrannt als vorher (Vorher: Mit dem ersten Freund am ZX81 rumgelötet). Daher habe ich mich bei der Stadtverwaltung beurlauben lassen (Gott sei Dank, geht das) und mein Fachabi nachgeholt. Dann habe ich meine Beurlaubung verlängert (nochmal dem Verwaltungsgott danken, für die Möglichkeit) und habe Wirtschaftsinformatik studiert. Aus der Not, da weder reine Informatik noch medizinische Informatik damals an einer FH möglich waren oder meine Abinote dem entgegenstand. *hust*

Während der ersten beiden Semester habe ich in den Semesterferien bei der Stadt gearbeitet. Natürlich in irgendeinem Amt, weil mein alter Job längst besetzt war. Am Ende sagte mir der Abteilungsleiter: “Tja, Frau Pickhardt, vielleicht haben Sie ja später mal über eine Frauenquote eine Chance auf eine qualifizierte Stelle”. Konnte ich nix drauf sagen, stand nur mein Mund offen. Später habe ich gedacht, das ist sicher ein sehr verbitterter Mensch.

Grundsätzlich kann ich sagen: Die Frauenquote in meinem Studienjahr war extrem hoch. Ich schätze zwischen 30-40 Prozent. Der prozentuale Anteil der Frauen, die wirklich den Abschluss gemacht haben, war (gefühlt) noch höher.

Mein erster Job war dann in einer kleinen Unternehmensberatung. Als erste Frau in einem Männerteam. Der Seniorchef musste lange überzeugt werden, es mal mit einer Frau zu versuchen. Und er hat mich im ersten Monat extrem in die Mangel genommen. Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, er war generell ein harter Knochen.

Dann kam ein Job in einem großen amerikanischen Softwareunternehmen. Dort habe ich durch viel Glück, den richtigen Zeitpunkt, die richtigen Projekte (die auch gut gelaufen sind) eine, man würde sagen, relativ steile Karriere gemacht. Ich fing an als Juniorberater und war nach knapp 5 Jahren für die strategischen Projekte eCommerce in Deutschland verantwortlich. Meine Vorgesetzten haben mich die ganzen 5 Jahre sehr gefördert. Ich muss allerdings auch sagen, das ich mich immer selbst darum gekümmert habe, wo ich wie arbeite. Die meisten anderen Consultants haben in der Regel darauf gewartet, das ihnen ihr Chef ein neues Projekt zuweist. Dies war bei mir exakt einmal der Fall, nämlich beim ersten Projekt, danach nicht mehr.

Im letzten Jahr bei dem Unternehmen war mein Büro in der Teppichetage. Die hieß nicht nur deshalb so, weil der Teppich besonders flauschig war, sondern auch weil die Geschäftsführung dort saß. Und dort habe ich entscheidende Erfahrungen gemacht. Es geht in Teppichetagen nicht mehr um inhaltliche Projektarbeit, sondern um Machtfragen, um die Sicherstellung der eigenen Vertriebsquoten, die Justierung des eigenen Sessels Richtung Karriere. Unnötig zu sagen, das ich die einzige Frau dort war, zusammen mit einer Assistentin (allerdings eine strategische). Nötig zu sagen, das ich auf verlorenem Posten stand, weil ich den Männersprech nicht gecheckt habe. Oft habe ich nach Meetings erst Stunden später begriffen, um was es *wirklich* ging und wie ich zwischen strategischen Verhandlungsmassen ausgespielt wurde. Ich habe in der Zeit verdammt viel gelernt.

Irgendwann kam der Punkt, an dem mein Job sozusagen offiziell in die Geschäftsführungsstruktur eingebettet werden sollte.
Ich habe das über einen Freund erfahren, den ein Headhunter kontaktiert hatte und der mich fragte, ob ich weggehe, oder warum mein Job frei wird. Nun. Eine Woche später kam der damalige Europachef und erklärte relativ unverblümt: “Sie sind zu jung, zu kurz beim Unternehmen und eine Frau. Deshalb werden wir eine Doppelspitze machen und Sie können mehr inhaltlich arbeiten”. Und da war er, der Kontakt mit der gläsernen Decke. Und was tut eine Frau? Sie ärgert sich und sagt nix. Ich hab mir gesagt: Guck mal, willst Du das denn überhaupt, diese ganze Unternehmenspolitik, die gar nicht mehr inhaltlich orientiert ist? Nee, wollte ich nicht. Nee, dachte ich, kann ich auch gar nicht, da geh ich ja total unter. Und ehrlich gesagt, wäre ich das auch. (typisch Frau, wa? Oder doch gute Selbsteinschätzung?)

Aber egal, ich wollte eh selber ein Unternehmen gründen und habe das dann ein paar Monate später auch gemacht. (mit viel Unterstützung meines alten Unternehmens)
Und ganz ehrlich: Ein weiblicher CEO mit IT Hintergrund in einem StartUP war in der New Economy eine hippe Sache und ließ sich auch sehr gut vermarkten. Meine Mitarbeiter habe ich immer nach Qualifikation eingestellt; habe aber Frauen manchmal bevorzugt, weil ich gemischte Teams besser finde. Einer meiner VCs hat mir mal einen Coach zur Seite gestellt. Nach einem 4-stündigen Gespräch mit mir, wurde mein 50zig Jahre alter Vertriebsleiter zwei Tage lang ausgefragt, ob er nicht in Wahrheit ein Problem damit habe, für eine 30jährige Chefin zu arbeiten. Hatte er aber nicht.

Ich habe in meinem Berufsleben überwiegend mit Männern zusammengearbeitet. (Allerallermeistens sehr erfolgreich, bzw. habe ich mir darüber in der Regel eh wenig Gedanken gemacht.)
Dabei sehr häufig auch mit Männern, die 20 Jahre und mehr älter waren als ich. Meine Erfahrung dabei: Männer (besonders die älteren) wissen meistens nicht, wie sie mit Frauen in Führungspositionen umgehen sollen. Der gelernte testosteron geprägte Männersprech, die Gesten und Sprüche funktionieren nämlich auf einmal nicht. Gerade den älteren Männern ist eine andere Umgangsform mit Frauen anerzogen worden, als die durchsetzungsgeprägte Umgangsform zwischen Männern. Nämlich ein sanfter Umgang, ein stets freundlicher, zuvorkommender Umgang. Das gelernte Muster zieht also nicht. Das macht viele Männer hilflos oder sogar aggressiv. Wohl bemerkt: Das betrifft überwiegend die älteren Semester.

Und ganz ehrlich? Wenn ein Muster nicht zieht, kann das für mich auch vorteilhafte Situationen erzeugen, z.B. Verhandlungen mit Charme zu führen. Stichwort: Charmeoffensive. Warum auch nicht? Wenn ich eines gecheckt hab: ja, natürlich ist es wichtig mit Kompetenz zu überzeugen, aber weibliche Verhaltensweisen deshalb bewußt zurückzunehmen, würde mir heutzutage im Traum nicht mehr einfallen. Aber das musste ich erst lernen.

Doch als mein damaliger Vorstandskollege in Rahmen des Niedergangs der NE unser Unternehmen verließ, bin ich zu meinem Aufsichtsratsvorsitzenden gefahren und habe nach 10 Minuten angefangen zu heulen. Als ich ihn kurz darauf ansah, habe ich gemerkt: Alles klar, dieser Mann wird dir nicht mehr zutrauen ein Unternehmen zu führen.

Kurz darauf, bin ich auch aus anderen Gründen, zurückgetreten. Wer die Geschichte lesen will, kann das hier tun. Meine Unternehmensanteile habe ich 2004 verkauft. Dem Unternehmen geht es heute gut.

Seitdem arbeite ich als freie Beraterin. Mein Tagessatz liegt oft etwas unter dem, was meine männlichen Kollegen bekommen. Natürlich auch deshalb, weil sie von vornherein andere Beträge aufrufen. Da gehöre ich, wie fast alle Frauen, die ich in vergleichbaren Jobs kenne, zu denen die eher “fair” verhandeln als “eigenoptimiert”. Aber ich lerne mit jeder Verhandlung.

So. Das wars erstmal. Sehr persönlich, viel zu lang, aber ich dachte, ich schreibs mal auf.

PS: Meine Meinung zur Frauenquote: Ich will sie nicht (Nachtrag: Ich will sie nicht für mich). Ich vertraue auf die nächsten Generationen von Männern, die mit anderen Rollenbildern aufgewachsen sind und die das nicht die Bohne interessiert.

PS2: Ich habe keine Kinder und kann den Aspekt der mangelnden Kinderbetreuungsmöglichkeiten der Unternehmen nur feststellen aber nicht aus persönlicher Erfahrung beurteilen.

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Social Politics

Was denkt wohl ein Biz Stone, wenn er in den Fernsehansprachen von US Präsident Obama, in der Rede von Angela Merkel bei der Sicherheitskonferenz (ok, das interessiert ihn eventuell nicht so) zur Situation in Ägypten mehrfach die Wichtigkeit seines Social Network Dienstes Twitter bestätigt bekommt? Was geht durch den Kopf von Mark Zuckerberg, wenn Millionen Menschen ihre politischen Proteste auf seiner Plattform organisieren?

Keine dieser Plattformen ist explizit als Tool für politische Meinungsbildung angetreten, doch längst gehen sie über das reine Vernetzen von weltweit verstreuten Freunden, Interessensteilern und mehr oder weniger guten Werbeauftritten von Firmen hinaus.

Die Social Networks werden zu dem, was dem Ideal eines demokratischen Staates entspricht. Biz Stone und Mark Zuckerberg geben ihren Nutzer eine Plattform für den Ausdruck von Meinungsvielfalt; bieten Möglichkeiten in Fanseiten Mehrheiten zu bilden und sie zu diskutieren – und mit denen die User am Ende versuchen gegenüber Staaten diese Interessen auch realpolitisch durchzusetzen.

Der Staat Facebook ist ein Vielvölkerstaat, dessen Staatsangehörigkeit durch freie, selbstbestimmte Registrierung erfolgt. Den König hat das Volk zwar nicht selbst auf den Thron gesetzt (wie ginge das auch in einer Monarchie) und dennoch wählen wir ihn durch unser Login jeden Tag neu in dem wir seine Dienste in Anspruch nehmen. Das der König Zuckerberg 1000-fach mehr Dinge über uns weiß, als der Staatsapparat in dem wir leben und den wir durch Wahlen legitimieren, ist uns dabei relativ egal.

Erna in ihrem Buxtehuder Wohnzimmer und Chantalle in ihrer Küche in Schmölln-Putzkau klicken sich auf einem Browsertab in den “Million Marsch” der ägyptischen Protestbewegung, während sie gleichzeitig in einem anderen Browsertab das runtergesetzte Ed Hardy Kopfkissen bei brands4friends bestellen.

Das ist nicht verwerflich, das ist demokratischer realpolitischer Volksalltag.
Im Gegenteil. Erna und Chantalle klicken, was die Clique klickt. Revolution ist geil. #ilike. Und sie zeigen damit wahrscheinlich schon mehr politisches Interesse als für die eigene deutsche Lokalpolitik. Im Staate Facebook strengt die Meinungsäußerung viel weniger an.

Die auf dieser Weise ausgedrückte politische Meinung mündet entweder in ein lokal brisantes Thema oder immer häufiger auch in internationale Revolutionsunterstützungen. Der dadurch aufgebaute Druck auf Politiker ist mitunter immens. Doch wie soll sich in Zukunft langfristig orientierte Politik aus den teilweise schnell wechselnden öffentlichen Meinungsbildern, die noch dazu von nicht authentifizierten Usern geprägt sind, der Social Networks entwickeln und wollen wir das überhaupt?

Auch Biz Stone und Mark Zuckerberg sind letztendlich allein agierende Könige, die zwar auf Druck ihrer Bewohner kritische Entscheidungen zurücknehmen, aber am Ende allein über unser Wohl und den Grad unserer Freiheit entscheiden. Und sich vor allem in Zukunft mehr und mehr im internationalen politischen Machtraum positionieren werden müssen.

Welchen politischen Bewegungen wird mehr Raum zur Meinungsäußerung gegeben, welchen nicht? Google und Twitter starten “voice2tweet” (extrem begrüßenswert), hätten sie aber nicht gemusst. Hier wird die Trennlinie zwischen unternehmerischen Interessen, medialen Infrastrukturangeboten und der Möglichkeit politischer Einflussnahme durch Bereitstellung oder Entzug von Plattformen sehr dünn.

Doch eines ist sicher, und das ist extrem gut:

Social Politics zwingt jeden Politiker und jede Regierung ob demokratisch oder nicht, zur permanenten Legitimation ihres Machtanspruchs. Und permanent heißt mitunter täglich und auf keinen Fall im Zeitraum von Wahlperioden.

Das ist das Neue.
Das ist das Revolutionäre.
Das ist der Pulsschlag des Facebook-Volkes.

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Auch @mspro hat bereits zum Thema “Postnationales Zeitalter” philosophiert.

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Krise im TV in der Krise?

Auf Twitter häufen sich seit Beginn der Unruhen in Ägypten die Beschwerden über einen mangelhafte (live) TV-Berichterstattung aus dem Krisengebiet. Während sich am Wochenende die Situation in Kairo und Alexandria zuspitzte, schien es so, dass lediglich Al Jazeera eine breitere und vor allem Live-Berichterstattung liefert. Natürlich ist man als Net-Citizen nicht auf das KabelTV angewiesen, sondern schaut eh CNN oder eben Al Jazeera im Netz. Klar. Aber auf wieviele Menschen in Deutschland trifft das zu? Immer noch auf Wenige, denke ich.

Auch stellt sich natürlich die Frage, wieviel weltweite Krisenberichtserstattung braucht es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Ich weiss es nicht.

Doch nicht nur die deutschen Sender scheinen am Wochenende versagt zu haben, auf Twitter sind ähnliche Tweets aus USA zu lesen.

Das Gefühl über eine “nachlässige” Nachrichenlage scheinen also nicht nur wir hier in Deutschland zu haben.

Woran liegt das?
Sind die TV-Sender von den Ereignissen wirklich so überrascht worden, das die Reporter erstmal warmlaufen mussten? Wohl kaum.

Mir scheint es eher so zu sein, dass man sich ohne eine Aussage der eigenen Regierung lieber zurückhält, schließlich ist hinreichend bekannt, dass der Westen grosses Interesse an einer stabilen Situation in Ägypten hat. Vielleicht wollte man auch erstmal abwarten, wie sich die Lage entwickelt, bevor Sendepläne geändert werden.

Aber, um die Frage von oben nochmal aufzugreifen: Wieviel Live-TV Berichterstattung brauchen wir von weltweiten Krisenherden? Nun ja, wenn Ägypten so fundamental wichtig ist für unser eigene politische Lage, dann kann die Antwort nur sein: Sehr viel. Verbunden mit sehr viel Er- und Aufklärung.

Da ich mich am Wochenende echt geärgert habe, im deutschen TV so wenig über die aktuellen Entwicklungen zu erfahren, habe ich am Montag der ARD eine Mail geschrieben.

Hier Auszüge aus der Antwort der Programmdirektion:

Wir bedauern Ihre Kritik an der Programmgestaltung im Ersten.

Das Erste hat am Freitagabend nach der “Tagesschau” einen Brennpunkt “Aufruhr in Ägypten” gesendet.

Im weiteren Verlauf berichteten die Informationsformate des Ersten kontinuierlich über die Situation in dem nordafrikanischen Staat. Mehrere Kommentare in den “Tagesthemen” befassten sich damit, und auch der “Weltspiegel” gestern sowie das “Europamagazin” am Samstag berichteten in Programmschwerpunkten über die Lage in Ägypten.

Damit sind wir unserem Programmauftrag ausreichend nachkommen und die Zuschauer hatten die Möglichkeit, sich zur besten Sendezeit über die wichtigsten Vorgänge zu informieren. Das Erste wird auch in Zukunft versuchen, seinen öffentlich-rechtlichen Programmauftrag so gut wie möglich zu erfüllen.

Nun gut. Die ARD und ich haben offensichtlich ein unterschiedliches Verständnis von ausreichender Berichterstattung.

Seit dem Wochenende hat sich aus meiner Sicht die Berichterstattung jedoch deutlich verbessert. Obwohl es mir schon unverständlich war, wieso im ZDF die Mubarak Rede gestern einfach unterbrochen wurde. Vielleicht wurde das ja begründet, ich weiß es nicht, ich hatte den Ton über Al Jazeera laufen.

Nachtrag 22.18 Uhr:
Anscheinend ist die Situation für TV-Journalisten heute wirklich gefährlich. Das ist für mich ein legitimer Grund eine Live-Berichterstattung zu reduzieren.

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