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Medienkompetenz reloaded

07.07.10 | 43 Comments

Angesichts des eingeleiteten Bußgeldverfahrens gegen Facebook durch den Hamburger Datenschutzbeauftragten kommen mir folgende Überlegungen in den Sinn.

Ja, Facebook muss transparenter werden, soviel ist sicher.

Wie für jedes andere Unternehmen im Internet, gehört ein Button “Zeig mir, welche Daten Du über mich besitzt” auf die Seite, wo mir nach entsprechender Authentifizierung, angezeigt wird, über welche meiner Daten (Persönliche und Bewegungsdaten) dieses Unternehmen verfügt. Punkt. Ohne dem geht es meiner Meinung nach in Zukunft nicht. Das alles natürlich inklusive Korrekturmöglichkeit , Sperrfunktion, Löschfunktion und Anonymisierungsknopf.

Nichtsdestotrotz bleibt für mich generell die Frage, ob der eigentliche Täter und Verursacher, nämlich derjenige, der meine Daten ungefragt und ohne meine Erlaubnis in Social Networks eingestellt, nicht grob fahrlässig handelt und damit nicht ebenfalls einen Bußgeldbescheid bekommen sollte. Also auch die Privatperson, die meine Daten einem Social Network zur Verfügung stellt.

So eine Verfahrensweise wäre natürlich absurd, weil es natürlich letztendlich auch eMails betrifft, wie @mspro auf Twitter dazu bemerkt hat: “ist das nicht das selbe problem, wie die e-mails an alle, mit den adressen im to oder cc-feld?” Der Unterschied ist hier natürlich, das ich als Dritter durch den Erhalt der Mail von dem u.U. unerlaubten Handeln erfahre, Transparenz ist also gegeben, aber die Mail kann i.d.R. nicht zurückgenommen werden.

Bei Twitter beipielsweise, wird das Einverständnis des Followen und damit des “persönlichen Interesses an mir” implizit vorausgesetzt, wenn ich den Follower nicht blocke. Welche Schlüsse Twitter und andere dritte Dienste aus meinen Followerinteressen ziehen, ist mir nicht transparent. Dieses Beziehungsgeflecht ist für jeden einsehbar und letztendlich natürlich auch weiterverwendbar.

Einen interessanten Link zum Thema lieferte @Horax: “Gedanken von Peter Schaar zu W. Steinmüller, der den Begriff “informationelle selbstbestimmung” prägte.

Es ist doch nur eine Frage der Zeit, wann der erste Fall vor Gericht geht, in dem eine Privatperson eine andere Privatperson wegen unerlaubter Datenweitergabe an ein Social Network und daraus resultierender Folgeschäden belangt. (oder gibt es den schon?)

Und weil das alles absurd wäre,  muss eine andere Lösung her. Ein neues Verständnis. Medienkompetenz, die rechtliche Aspekte stark einbezieht.

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