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Druckluft

07.01.10 | 14 Comments

Nun ist es also vorbei, das Experiment “Blogger machen Zeitung” bei der Welt Kompakt mit dem Namen: Scroll Edition.
Einen Tag lang habe ich Druckluft geschnuppert. Meine Erwartungshaltung an diesen Tag stand in erster Linie in meinem beruflichen Kontext.
Ich bin Freie IT-Beraterin und meine Projekte beschäftigen sich in der Regel mit der Optimierung von Prozessen in Unternehmen, dem Pitchen und der Einführung von neuen Softwaresystemen rund um CMS, CRM, Targeting/Personalisierung und Enterprise 2.0. Aus dieser Perspektive betrachtet, ist völlig klar, dass ich mit der Teilnahme an einem solchen Projekt nur gewinnen konnte.
Daher beginne ich mal mit meiner persönlichen Perspektive auf dieses Experiment:

Ungewöhnlich spät begann der Tag erst gegen 11.00 Uhr mit dem Eintreffen der Blogger im Axel Springer Verlag.

Am Fuss des Prints hängt ein Blogger - Bild: @bosch

Bereits am Eingang versuchte ich den Printmann wenigstens für diesen Tag vom Sockel zu stürzen, aber dies gelang mir ebenso wenig wie ein Photo im Eingangsbereich des Verlages zu schiessen, da der Sicherheitsmann seinen Job sehr ernst nimmt.

Mit einem kühlen Glas Sekt in der Hand, welches mir von einem sehr netten livrierten Herrn gereicht wurde, schoss mir in Sekunde 1 durch den Kopf. “Ach, so geht also Print!!” und in Sekunde 2: “das wird hier heute kein knallharter Arbeitstag, sondern hat eher einen Event Charakter”.
Der späte Beginn konnte nur darauf schließen lassen, dass Tagesnachrichten keine zu grosse Rolle spielen würden, da ja zunächst einmal ein paar organisatorische Dinge zu klären und erklären waren. Nach der Begrüßung erklärten Frank Schmiechen und Matthias Leonard den Ablauf des Tages. An der Wand hing bereits die Rohfassung der Zeitung inklusive der Texte, die fast alle Blogger ein paar Tage zuvor eingereicht hatten.
Von meinen drei Themenvorschlägen:  1. Targeting und Personalisierung im Kontext von Transparenz und Datenschutz (was beruflich einer meiner Schwerpunkte ist) 2. Theater und Ökonomie und 3. Legitimierungsprozesse in der Bildung – hatte sich die Weltkompakt für den zweiten Vorschlag entschieden. Da ich aber mit meinem Text bis zur Abgabe irgendwie sehr unzufrieden war, konnte ich mit der Kürzung um fast 3/4 der Länge eigentlich ganz gut leben. Mit allen Bloggertexten war die Zeitung praktisch schon zu 80% gefüllt.
Das Querformat hatte sich die Redaktion bereits ein paar Tage vorher überlegt, da es natürlich in den entsprechenden Layoutsystemen auch erst einmal angelegt werden muss. Dennoch hat Frank Schmiechen den Bloggern die Entscheidung überlassen, dieses Format so zu übernehmen, oder etwas ganz anderes zu machen. Realistisch betrachtet, hätte das aber noch mal einen Haufen Arbeit an diesem Tag bedeutet und wäre kaum machbar gewesen. Und vor allem wäre es eine Tätigkeit gewesen, an der die Blogger im praktischen Sinn nicht hätten mitwirken können. Ich persönlich finde das Querformat interessant, auch weil es einfach mal etwas anderes wagt. Ergo habe ich auch keinen anderen Vorschlag gemacht.

@Bosch macht ein Experiment

In der “Quasi-Redaktionskonferenz” war erstmal Stille angesagt. Ich schätze, bis auf Tim Cole war keiner der anwesenden Blogger redaktionskonferenzerfahren. Themenvorschläge und Diskussionen kamen erst sehr langsam in Schwung.

Es entspann sich eine kleine Diskussion darum, ob man vielleicht neben den Beiträgen eine Kommentarspalte blanko lässt, damit dort offline Kommentare eingetragen werden können – die dann irgendwie ihren Weg zurück zur Weltkompakt finden und wie man überhaupt und generell das Kommentarthema angeht, weil es ja sehr bloggerspezifisch sei. Wir konnten uns aber für keine der Varianten wirklich entscheiden.

Erfreut war ich darüber, dass wir direkt mit dem Redaktionssystem der Zeitung arbeiten konnten, begleitet und assistiert von einem quirligen Haufen Volontäre, die jederzeit ansprechbar waren, wenn jemand Hilfe brauchte. An dieser Stelle nochmal ein grosses Lob!! Danke!. Neben dem Layouter sitzend konnte man, wenn man wollte, auch auf das Layout der Beiträge Einfluss nehmen. Auch hier hat man Niemandem den enormen Stress angemerkt; zu jedem Zeitpunkt waren alle Welt Kompakt Mitarbeiter ansprechbar, sehr offen und extrem hilfsbereit. Und stressig wurde es dann schon etwas, nachdem der Bundespräsident ewig auf sich warten liess und Bosch und ich doch für unsere Sonder-Twitkrit auf gute Tweets zum Bundespräsidenten angewiesen waren, die auf Seite 2 erscheinen sollte.

scroll edition Newsroom

Das Gefühl unter enormen Zeitdruck einen guten Text zu liefern, auf das ich auch ein bißchen gehofft hatte, stellte sich nicht so richtig ein. Eine Diskussion, was die Alternative auf Seite 2 hätte sein können, gab es nicht so recht. Das war etwas schade, aber ich kann verstehen, das die Situation auch die Welt Kompakt Kollegen ziemlich gestresst hat.  Auch hätte ich mir angesichts meiner Rechtschreibung eine Schlussredaktion gewünscht. Die hat bei einigen stattgefunden, bei mir leider nicht. Na ja, dafür hatten Bosch und ich auch alle Freiheiten – so gesehen natürlich auch ein grosser Vertrauensbeweis.

Letztendlich haben wir bis 20:30 Uhr auf das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl gewartet und dann ist die Welt Kompakt ins Risiko gegangen, sich auf Wulff festzulegen. Da ein Abendprogramm geplant war, wurden wir Blogger um 20:30 Uhr mit einem Bus abgeholt. Wie sich dieser enorme Stress anfühlt, konnten wir also nur ein kleines bißchen erahnen. Aber es reicht mir schon völlig um diesbezüglich den Print-Journalisten meinen Respekt zu zollen. Blogger haben nun mal keinen Redaktionsschluss und können im Zweifel auch mal eine Nacht durcharbeiten.
Schade fand ich persönlich an diesem Tag, das ich mit relativ wenigen Bloggern ins Gespräch gekommen bin, wobei ich daran eher selbst schuld war. Ein kleines Versäumnis der Welt Kompakt war es jedoch, dass keine Vorstellungsrunde der einzelnen Blogger stattgefunden hat.
Übergreifend wäre es gut gewesen, die Blogger (sofern sie gewollt hätten) frühzeitiger in die Layout Fragen und die Themenwahl einzubinden. Ich hatte ein google Doc dazu angelegt, aber das kam nicht so recht in Schwung.
An der Gesamtorganisation dieses Events war absolut gar nichts auszusetzen. Alles war perfekt bis ins kleinste Detail.
Soweit zu meinen persönlichen Eindrücken des Tages.
Darüber hinaus halte ich das Experiment grundsätzlich für sehr erfolgreich. Das Format wird wohl nicht jedem gefallen, aber so ist das halt mit fast allen Dingen im Leben. Grundsätzlich hätte ich mir etwas mehr Tagesaktualität gewünscht, also vor dem dpa-Ticker zu sitzen, hektische Interviews zu führen, etc.. Allerdings, das muss ich gleichzeitig sagen, halte ich in der Tat die gedruckte Tageszeitung für angezählt. (siehe mein Kurzinterview).
Über die Qualität der Blogbeiträge kann man genauso trefflich streiten, wie über Artikel von Print-Journalisten. Von daher finde die solchen Diskussionen sehr müßig. Ich persönlich finde die meisten Beiträge gut.
Ich bin absolut für eine Wiederholung des Experiments “Blogger machen Zeitung”. Einen Event-Charakter braucht es eigentlich nicht. Eine Anwesenheit vor Ort ist zwar interessant, aber nicht wirklich notwendig aus meiner Sicht. Vielleicht könnten in regelmäßigen Abständen zu bestimmten Themen Bloggern ein paar Seiten freigemacht werden. Selbstverständlich gegen Honorar. (welches wir übrigens auch für diesen Tag bekommen).

Insofern: weiter mutig bleiben @weltkompakt!

Ergänzung:

Wie z.B. Tim Cole, Alex Kahl und Sebastian v. Bomhard den Tag empfunden haben, kann man hier in den Kommentaren nachlesen, bei Rose Jakobs und bei der Welt

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