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Microblogging: Sidestream oder Zufallsprinzip?

03.16.09 | 19 Comments

Obwohl ich seit einiger Zeit an einer Web2.0-Depression leide, bin ich immer noch ein leidenschaftlicher Twitterer. Allerdings teile ich nicht die Euphorie und Hypegesänge bezüglich der Aussage, dass Twitter beizeiten zum Mainstream wird oder “the next big thing” für Unternehmenskommunikation oder Marketing. Und das aus folgenden Gründen:

1. Userzahlen

Bezogen auf Deutschland (je nach Statistik 20-70.000 Twitterer) ist dies wohl eine zu vernachlässigende Nutzerzahl. Natürlich wächst sie derzeit rasant, aber: bis die kritische Masse für einen Mainstream erreicht wird ist (meine Prognose) das Thema Twitter wieder “durch”. Es wurden ja bereits etliche Vergleiche zu Second Life gezogen, und natürlich ist allein die technische Barriere bei SL deutlich höher, aber zum Twitterer wird auch nur, wer regelmäßig twittert – und das ist die Barriere von Twitter: den Schwachsinn erkennen, filtern und dranbleiben. Darüber haben schon so manche die Geduld verloren und sind wieder ausgestiegen aus der Timeline.

2. Mainstreams

Daran anschließend stellt sich für mich die Frage, ob es im WebX.0 überhaupt noch Mainstreams geben wird. Die Innovationszyklen werden immer schneller, so dass für eine einzelne Technologie/Tool wie das Microbloggen eigentlich kaum Zeit bleibt, sich “zu setzen” und zu entwickeln. Beispiel: der derzeitige Umschwung von Blogs auf Microblogs. Meine These: es wird zukünftig eher “Sidestreams” geben – ein Amazonasdelta des Internets mit vielen Seitenarmen eines Flusses. Einer dieser Sidestreams ist Microblogging, einer anderer Blogs, ein weiterer Videostreaming, etc.. Keiner dieser Sidestreams wird es allein als Mainstream schaffen, aber sie befüllen den gleichen Hauptstrom des Netzes.

3. die Krux der Microkommunikation für Unternehmen

So. Ich glaube mittlerweile, dass Twitter zum jetzigen Zeitpunkt für Unternehmen wenig Mehrwert bringen wird. Warum? Ja, ein Unternehmen oder eine Marke kann News über sich in die Timeline geben. Aber wie geht ein Unternehmen derzeit vor? Es sucht sich die Mavens auf Twitter, also diejenigen, die viele Follower haben und damit vermeintlich für virale Effekte sorgen. Das hat aktuell zwei Nachteile: diejenigen, die viele Follower haben, haben meistens auch um die 1000 denen sie selbst folgen. Da ein Unternehmen/oder eine Marke in der Regel nicht stündlich twittert (und das bitte auch nicht tun sollte) ist es ein reiner Glücksfall, von einem Heavy-Twitterer überhaupt gelesen zu werden, geschweige denn von ihm ge-retweetet (sorry für das denglish) zu werden.  Am ehesten tauchen die Unternehmens- und Markentweets in der Timeline eines Twitterers auf, der relativ wenigen folgt. Allerdings ist das entweder Programm, d.h. diese Twitterer folgen aus Prinzip nur wenigen oder es sind Twitterer die wenig twittern, d.h. meistens auch nichts verbreiten und eine geringe Sichtbarkeit haben. Die Chancen für ein Unternehmen oder eine Marke, eine PR-relevante Sichtbarkeit zu erzielen, sind meines Erachtens denkbar gering. Derzeit.

4. die Krux mit der persönlichen Timeline

Und damit komme ich direkt zum vierten Punkt. Ich persönlich folge ca. 1000 Twitteraccounts, größtenteils handelt es sich um deutsche Accounts und ein paar gehören zur internationalen, daher meist amerikanischen, Web Bohemè. Die amerikanischen Tweets sehe ich tagsüber aufgrund der Zeitverschiebung fast gar nicht in meiner Timeline (ausser die der Hardcore-Twitterern). Bei den deutschen Accounts denen ich folge, lese ich gefühlt nur diejenigen, die regelmässig, also mehrmals täglich twittern. Alle anderen unterliegen dem “Zufallsleseprinzip” wie oben beschrieben. Im Grunde ist es also fast egal, ob ich 300 Accounts folge oder 1000 Accounts. Um inhaltliche Informationen zu Themen zu bekommen, die mich interessieren – muss ich eigentlich überhaupt niemanden folgen, dafür muss man nicht mal selbst twittern, es reicht search.twitter.com oder irgendein Analyse-Client. Um mit entsprechenden Twitterern meiner relevanten Themen zu kommunizieren, bin ich entweder auf die Gnade des @replies angewiesen, falls das Interesse nur einseitig ist oder ich muss mich so interessant machen, das mir der Guru ebenfalls folgt. Na ja.

Quintessenz:

Ich glaube, dass sich Twitter in kleine Themenräume aufteilen wird. Man hat einen persönlichen Twitteraccount, mit dem man die 08/15 daily Kaffee, Büroalltags- und Lebenstweets bewerkstelligt und zusätzlich ein oder mehrere Accounts für Fachthemen, in deren Timeline dann weniger #dsds #gntm oder #tatort Tweets auftauchen. Dazu passt übrigens auch der Trend zur Qualität.

Innerhalb dieser sehr spezifischen Gruppen (Long Twail? ;) könnte dann auch ein Unternehmen möglicherweise effektiver PR betreiben oder sogar kommunizieren. Soweit haben die meisten Unternehmen Twitter jedoch noch nicht durchdrungen, denn das macht viel Arbeit, kann schlecht outgesourct werden und erfordert Geduld,  Zeit und p-e-r-s-ö-n-l-i-c-h-e-n Einsatz.

Da Twitter derzeit leider keine Gruppen unterstützt, muss man zur Zeit auf die Methode der Multi-Accounts zurückgreifen. Ob Twitter überhaupt per Hashtag oder ähnlichem einzelne Tweets unterschiedlichen Timelines explizit zuweisen können wird, weiss auch niemand.
Ich bin allerdings überzeugt, dass die one-and-only einzig glücklich machende Timeline längst angezählt ist, denn ich habe eigentlich nicht EIN Twitter-Netzwerk sondern viele kleine.

Vielleicht kommt eh bald der nächste Zug zum aufspringen?

Ich war und bin übrigens ein grosser Anhänger von Second Life und innerhalb des letzten Jahres ist SL kontinuierlich gewachsen. Das werden die Microblogging-Plattformen auch, ob gehypt oder nicht.
Nur die Scheuklappen der geistigen Inzucht sollte man ab und zu mal abnehmen.

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