StartUpWeekend vs. Enterprise 2.0

Was sollte beim StartUpWeekend passieren? Wir wollten alle zusammen Neuland betreten und das Experiment wagen, ob es gelingt innerhalb 48 Stunden mit einem Haufen unterschiedlicher Menschen eine Unternehmung auf die Beine zu stellen.

Ist das gelungen? Ja.

Was mich im Rahmen dieses Konstruktes ebenfalls interessiert hat war, ob ein Event wie ein StartUpWeekend unter den Prämissen von Enterprise 2.0 funktioniert.

Wer war dabei?

  • Freiberufler. Selbstbestimmt. Gewohnt in Netzwerkstrukturen zu arbeiten. Ohne Hierachien.
  • Studenten. Fast schon die Generation “Digital Natives”.
  • Old Ecos. Aus tradionellen Organisationsstrukturen. Mit klaren Etappenzielen.

Was mich rückblickend zum Nachdenken gebracht hat, ist die Frage, warum viele Teilnehmer, die bereits heute selbstbestimmt in Netzwerkstrukturen arbeiten oder arbeiten wollen, es scheinbar “zugelassen” haben, das sich eine “klassische” Unternehmensstruktur herausbildet. War das überhaupt wirklich so oder war das nur ein diffuses Gefühl? Und wenn es wirklich so war, war es schlecht?

Ich hatte nicht den Eindruck, das es irgendwo eine Gruppe gab, die so “konspirativ” oder zurückgezogen war, das ich mich nicht jederzeit hätte dazugesellen können, wenn ich es gewollt hätte. Trotzdem scheint dieses Gefühl entstanden zu sein. (ich nehme mich da nicht aus).

Man spricht es allerdings nicht offen aus, sondern bemurmelt es am Aschenbecher oder auf den Gängen. So zumindest mein subjektives Empfinden. Aschenbechergemurmel oder auch Küchengespräche empfinde ich persönlich jedoch als ebenso “klassisch” innerhalb eines hierarchischen Modells, wenn anschließend kein offenes Gespräch geführt wird. Dann bleibt es für mich ein Verorten in “Oben” und “Unten” innerhalb einer unausgesprochenen Hierarchie, in der man sich (vielleicht unbewusst) eingeordnet hat.

Auch in Enterprise 2.0 Unternehmungen gibt es Pläne und Leader. Ohne gehts nicht. Jeder Einzelne sollte sie jedoch konstruktiv in Frage stellen dürfen, vielleicht sogar müssen, wenn er am Gesamtergebnis Verantwortung tragen möchte. Holschuld und Bringschuld. Doofe Begriffe aus der Old Eco. Eigenverantwortung wäre vielleicht der bessere Ausdruck.

Das wollen wir doch, oder? Warum fordern wir es dann nicht oft genug ein?

9 Responses to “StartUpWeekend vs. Enterprise 2.0”


  1. 1 Cem Basman

    Sehr gute Fragen. Wir sollten uns mal zusammensetzen darüber…

  2. 2 Harald Mueller

    Was heisst hier “zugelassen haben”, dass sich eine klass. Unternehmensstruktur herausbildet. Enterprise 2.0 hin oder her – IRGENDEINE Struktur braucht JEDE Organisation. Und ich fand es faszinierend zu sehen, wie dies erkannt wurde und ohne Konspiration mit einer “let’s just do it” aber offenen Art umgesetzt wurde.

    Allein die Prozesse der Entscheidungsfindungen wäre eine “after session” Betrachtung wert.

  3. 3 Picki

    @harald
    und ich fands faszinierend, das gerade die klass. Struktur unbewusst gewählt wurde. Warum?

  4. 4 Picki

    @cem
    sehr gerne:)

  5. 5 Till Achinger

    Ich teile Deine Beobachtung. Harald sagt zu recht, dass irgend eine Struktur sein muss. Dass es gerade diese ist, erkläre ich mir derzeit so, dass es einen Teil der Crowd gab, die aufgrund ihres Hintergrundes sowohl diese Strukturen bevorzugten als auch sehr dominant waren.
    Dass Entwicklungen zugelassen wurden, die nicht allen gefielen, liegt in meinen Augen zum einen daran, dass wir oft nicht wussten, dass andere diese Meinung teilen, und zum anderen, dass wir zu sehr mit dem “was” beschäftigt waren, um uns noch dem “wie” zu widmen.
    Mein Vorschlag: Mehr Methodenorientierung, um Klarheit über die Abläufe zu schaffen. Dann kommt man auch mit flacheren Strukturen aus.

  6. 6 Joerg

    Erziehung? Angst vor Veränderung? Wir kennen es fast alle nicht besser – ohne Hierarchien geht es nicht, wird uns von kleinauf eingebrannt: Kindergarten, Schule, Job… Eigenverantwortung und Selbstorganisation, ist natürlich auch unbequem, ich muss selber aktiv werden und kann mich nicht bequem zurück lehnen und mich “bespaßen” lassen.

    Sich anders organisieren, Hierarchien in Frage stellen heißt bisher Gelerntes in Frage zu stellen – ohne Erfolgsgarantie. Sich für etwas “Bewährtes” entscheiden, heißt weniger angreifbar sein. Wenn man dann scheitert, lag es halt an den “Umständen” – denn der Ansatz war ja bewährt.

    Irgendwie hört sich das an, als ob man spielt, um nicht zu gewinnen sondern um nicht zu verlieren… Macht auf jeden Fall weniger Spaß.

    Offen Feedback geben und ansprechen, was einen stört bricht mit Tabus – da sind wir wieder bei Erziehung und bewährten Handlungsschemata.

    Unterm Strich führt IMHO nichts an Selbstorganisation, Lern- und offener Feedback-Kultur vorbei, aber es ist ein langer Weg, den nicht alle gehen mögen und der viel abverlangt.

  7. 7 Ingo Scholz

    liebe Martina,
    Du sprichst hier die Funktionslogik von Organisationen an. Dazu ist vor kurzem ein Buch von dem von mir hochgeschätztem Fritz Simon erschienen:
    http://www.carl-auer.de/programm/978-3-89670-602-7
    Das Buch ist übrigens in einem Blog live entstanden.
    gruß, Ingo

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