Warum macht es eigentlich manchmal einen Unterschied ob man einem Menschen in seiner Jobfunktion oder in seinem Privatleben begegnet? Oder fällt das nur mir auf?
Unternehmer und Manager sprechen Wirtschaftssprache; Business-Code. Der Business-Code umfasst nicht nur eine Sprache sondern einen Lebensraum. Den Lebensraum des Titels, der Visitenkarten-Identität. Diese Visitenkarten-Identität, die bei manchen Entscheidungen ihres Businesslebens die Vorstellungen ihrer Besitzer über Moral und Ethik für den Return-on-Invest beseite schiebt. So will es das Spiel im ökonomischen Markt. Auf dem Sofa zu Hause, beim Spielen mit den Kindern, wenn man mit Freunden zusammen ist; dann kann man authentisch sein.
Allerdings gibt es auch Menschen, die nur selten ihre Visitenkarten-Identität ablegen. Immer Vorstand; immer Geschäftsführer; ständig im Manager-Modus. Gibt es da noch etwas anderes im Leben? Findet das noch statt?
Warum ist es so schwierig sowohl im Job als auch privat die gleiche Authentizität zu zeigen? Ist das nicht schizo? Und wird sich das jetzt durch das Web 2.0, den „social networks“ und all den anderen kommunikativ runden Sachen ändern?
Wenn der Deal mit dem VC oder Business Angel geklappt hat, hilft es dem Unternehmen, den Freunden, der Familie (und natürlich auch dem VC) ungemein, geerdet zu bleiben.
Konkrete Erdung meint:
1. Es ist NICHT DEIN GELD !!!
2. NEIN, es sind NICHT DEINE Millionen auf dem Konto, auf das du zugreifst.
3. VC macht NICHT Dich reich, sondern deine Firma
4. Nein, du hast es noch nicht geschafft!!
Erdung heißt aber natürlich auch nicht, den VC-Kotau zu machen. Ein VC ist NICHTS ohne ein Venture. Also sollte man sich die eigene Leistung, eine gute Idee zu haben und diese umzusetzen auch nicht mit einem Hartz4-Gehalt bezahlen lassen.
Beim Geschäftsführungs- / Vorstandsgehalt also nicht zu niedrig ansetzen, Gehaltserhöhungen an erfolgreiche Meilensteine knüpfen.
Wenn’s mal so richtig kriselt, eventuelle eigene Gehaltsgeißelungen auf jeden Fall schriftlich festhalten mit dem Hinweis, das diese im Aufwärtstrend wieder aufgehoben werden.
Ich hatte immer gedacht, dass ich den Umgang mit dem ganzen VC Geld irgendwie abstrahiert habe. Mir immer bewusst war, WIEVIEL Geld ein paar Millionen Euro eigentlich sind, die einem *einfach* jemand gibt, auf Basis eines Business Plans, einer Idee, die sich noch nicht behauptet hat. (Gott sei Dank ist das heutzutage etwas anders)
Als ich zwei Monate nach meinem Rücktritt aus dem Vorstand als Regieassistentin bei einer Freien Theatergruppe in Hamburg anfing, saß ich am ersten Abend mit dem Regisseur zusammen. Er war ziemlich niedergeschlagen, weil er noch so viel Geld für die aktuelle Produktion brauchte. Und sagte ständig: „Tina, das ist soooo viel Geld. Ich weiss nicht, woher ich das nehmen soll“. Irgendwann habe ich ihn gefragt, um welchen Betrag es ganz genau gehen würde und erwartete eine mittlere 5-stellige Summe. Er sah mich an und sagte sehr ernst „Wir brauchen noch mindestens 5000 Euro, besser 7000“.
Puh. Mein letzter Streit mit unserem Privatinvestor ging um eine Million Euro. Und die hätte gar nicht mal sooo lange gereicht. Mmmh. Da habe ich dann doch gemerkt, wie schnell – und vor allem unbewusst – mich der Umgang mit grossen Summen auf eine andere Wahrnehmungsebene gebracht hat. Und mir das Gefühl verloren gegangen war, das VIEL Geld für die meisten Menschen ganz woanders angefängt.
Hat mich voll geerdet. Die ganze Theatersache.
Der klassische VC verlangt ja gerne mal das in den Beteiligungsverträgen steht: “Heiraten nur mit Ehevertrag”….
Das kann bei bereits verheirateten Gründern eventuell zu dem ein oder anderen Streitgespräch führen, oder auch nicht, egal, dafür ist ja eine Ehe da, das man einen *ständigen Auseinandersetzungspartner* hat, schließlich liebt man sich ja….
Aber was machen eigentlich die Gründer, die noch nicht verheiratet sind, aber in einer Beziehung leben oder noch schlimmer: gerade frisch verliebt sind? oder noch viel, viel schlimmer: Single sind, aber nicht sein wollen?
……
10 Tipps für Freunde/Freundinnen von Gründern:
- maximale Geduld wenn der Partner zum 100ersten Mal die gleichen Stories erzählt (Medikamente, um diese Geduld aufzubringen vom StartUp bezahlen lassen)
- immer maximale Aufmerksamkeit zeigen (ähnlich wie beim Sex, wenn man grad keine Lust hat)
- Pro-aktives Interesse durch Nachfragen zeigen (am besten einen Zettel mit Fragen aufschreiben, die man alle 2 Tage abwechselnd stellt, es wird nicht auffallen, siehe Punkt 1)
- Terminkalender kopieren lassen
- Am Wochenende mit den FreundInnen deines Partners verabreden – die haben auch alle Zeit
- falls VC-Gespräche anstehen: Hochprozentiges bereithalten oder etwas von den Beruhigungsmedikamenten abgeben (hat eh die Firma bezahlt)
- Falls andere Menschen (Eltern, Freunde) fragen wie es so läuft: Standardantwort bereithalten (z.B.: “Du, es läuft suuuper”)
- Bei ersten Krisen im Team: zuhören, mit aufregen, trösten und gleichzeitig: falls vorhanden, die anderen Partner (mit denen man ja eh das Wochenende verbracht hat, vorsichtig um eine zweite Version fragen)
- für ausreichend Obst und Gemüse sorgen
- niemals vergessen zu verhüten, dein Partner bekommt bereits gerade ein Baby!
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10 Tipps für Gründer mit FreundInnen:
- Erzähle nie 100 Mal die gleiche Geschichte, auch wenn es schwer fällt
- Verschone Deinen Partner mit VC-Gedöns, Anteils-Verwässerung und Beteiligungsverträgen – das interessiert grade niemanden ausser Dich, deine Kollegen und andere Gründern
- Wenn Dein Partner immer wieder das Gleiche fragt: sei geduldig, du weißt, die Materie ist kompliziert
- Kopiere den Terminkalender – das beugt unnötiger Eifersucht vor
- Mach Deinen Schatz mit den anderen Schatzis bekannt – die können unheimlich viel zusammen unternehmen in Zukunft
- Falls noch nicht vorhanden, richte Deinem Partner einen ICQ Account ein, damit ihr nachts kommunizieren könnt
- Bei ernsthaften Krisen im Team: trösten lassen und Wut teilen.
- Über Ratschläge nachdenken, oder auf jeden Fall so tun als ob.
- Ausreichend Obst und Gemüse essen
- niemals vergessen zu verhüten: Du bekommst gerade schon ein Baby!
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10 Tipps für Gründer ohne Partner:
- Nutze den Vorteil, Dich ohne Rechtfertigung 24 Stunden im Büro aufhalten zu können
- Verliebe Dich nie in einen Menschen, der zu einem der folgenden Personenkreise zählt:
- Mitgründer
- VC
- erste 25 Mitarbeiter (danach wird eh unübersichtlich, dann fällts nicht so auf)
- Wenn Du dich verliebt hast, nerve Deine Mitgründer nicht ständig damit, die haben eigenen Stress
- Verlange von verliebten Mitgründern volle Konzentration auf die SACHE!
- Wenn du einsam bist, nutze intensiv Online-Dating – du triffst eh keine Menschen ausserhalb des Büros
- Ein Blick in Deinen Terminkalender wird Dir zeigen: Du hast sowieso keine Zeit für einen Partner
- Für den unwahrscheinlichen Fall eines Dates: deinen Terminkalender in Kopie dabei haben
- ausreichend Obst und Gemüse essen
- Geschlechtsverkehr wird total überbewertet, nutze Deine Energie für deinen Businessplan
- Danke Gott für das Wunder, das du gerade ohne Geschlechtsverkehr ein Baby zeugst
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Die aktuelle Ausgabe der Brand Eins hat den Titel “Felher”. Gefällt mir supergut als Übergang in mein Solitude Thema.
Von Februar bis August 2003 war ich Stipendiatin an der Akademie Schloss Solitude. Das hat nichts mit Schule oder Lehre zu tun, sondern Solitude vergibt Stipendien an internationale Künstler in verschiedenen Sparten. Und seit 2003 auch im Rahmen des Programms *art, sience & business* an Unternehmer, Manager und Wissenschaftler. Um zu erkunden, wie neue Formen von interdisziplinärer Zusammenarbeit funktionieren können.
Ich war die erste Vollzeit-Business-Stipendiatin in diesem Programm und habe zu dem Thema “Was kann ein Fehler / What is an error good for” dort mit anderen zusammen gearbeitet. Nach 6 Monaten auf dem Schloss habe ich zum Schluss folgendes geschrieben:
Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst, drei Wirklichkeiten, die sich gegenseitig ihrer positiven Effekte bedienen, aber zu selten den Versuch unternehmen, sich gegenseitig als Ganzes zu reflektieren. Die Frage bleibt, ob es bei diesem Versuch möglich wäre, die Identität in der eigenen Wirklichkeit zu erweitern oder ob es in der Entstehung vieler Identitäten endet. Ich weiß nicht, welche der Alternativen die Bessere und welche ein Fehler wäre.
Solitude ist der größte Fehler meines Lebens. Er ist so groß, das er in meiner Zukunft für immer seine Spuren hinterlassen wird. Er ist so schwerwiegend, das er sich in meinem Denken festgesetzt hat und wesentliche Entscheidungen in meinem Leben beeinflusst. Es ist der beste Fehler, den ich je gemacht habe, denn ich unterscheide mich jetzt von meinen Wirtschaftskollegen durch eine wesentliche Abweichung:
Ich war wirklich hier.
Bevor ich mich erneut in den Schlund des Netzes stürze und ins Web2.0 migriere, habe ich hier mal meine persönliche New Economy 1.0 Story (die sich nicht wesentlich von 100 anderen unterscheidet) abgelegt. Geschrieben bereits 2003, noch in einem Zustand zwischen Wut und Trauer. Jetzt nach 6 Jahren! (ist das frauentypisch, das das so lange dauert?) hab ich alles verarbeitet und ich bin bereit für Neues.
Die nachfolgenden Texte sind jeweils aus zwei Perspektiven geschrieben. Zuerst aus meiner persönlichen und dann einer “journalistischen Außensicht”
Für die komplette Geschichte bitte oben weiterblättern. Die Geschichte geht bis Dez. 2001.
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