Unsere Umsätze lassen zu wünschen übrig. Im Businessplan stehen andere Zahlen. Wenn die Umsätze nicht besser werden, brauchen wir schnell weiteres Kapital. Wir haben eine super Presse, unser Vertrieb hat eine Menge Termine. Bei vielen Terminen gehe ich mit. Ich wünschte, ich hätte das schon vorher getan, statt ständig in Finanzierungsgesprächen oder Aufsichtsratssitzungen zu sitzen. Die New Economy kriselt seit Monaten. Die ersten Firmen bekommen finanzielle Schwierigkeiten und müssen Insolvenz anmelden.
Viele Start-Up’s mussten ihre Umsatzziele nach unten korrigieren. Dadurch verschob sich natürlich auch der Zeitpunkt, an dem die jungen Unternehmen profitabel werden sollten. Die „Burn Rate“, das ist der Betrag, der monatlich „verbrannt“ wird, blieb hoch. Nicht sparen war angesagt, sondern investieren. Gerade in der Krise soll man investieren, sich antizyklisch zum Markt verhalten. Weisheiten aus dem BWL Lehrbüchern an der Uni. Kaum ein Gründer hatte je zuvor ein Unternehmen hochgezogen, noch weniger sind je durch eine Krise gegangen.
Unser Privatinvestor entscheidet sich sein Investment in unsere Firma zu erhöhen. Natürlich nur gegen einen entsprechend hohen Aktienanteil. Es könnte besser laufen. Insgesamt. Der Vertrieb macht ein paar kleinere Deals. Das reicht nicht. Ein Mitarbeiter kündigt. Er fühlt sich gemobbt. Ich habe irgendwie zu spät reagiert. Die Versionen unseres Businessplanes zähle ich nicht mehr. In jeder der zweiwöchigen Aufsichtsratssitzungen, wird vom Aufsichtsrat eine andere Vertriebsstrategie vorgeschlagen. Wir kommen kaum dazu eine mal richtig aufzubauen. Der Ton im Aufsichtsrat wird schärfer.
Wer von den Gründern, wer von diesen 20 – 30 jährigen „High-Potentials“ hatte jemals so viel Geld zur Verfügung? Hier in Deutschland hatte man vom Pragmatismus der Amerikaner lernen wollen, auch von dem Mut zum Risiko. Kauf’ Dir Deinen Markt, kauf’ Dir Deine Marke, wenn nötig schaffe Dir Deinen Markt selbst. Bunt und leuchtend, bewegt und teuer musste es sein. „Klicki-Bunti“ wurde es genannt, wenn man es übertrieben hatte. So flossen Millionen von Risikokapital in das Marketing. Die Marke und die Marktanteile waren wichtiger als das Produkt.
Wir kündigen zwei Mitarbeitern. Einen Ersatz stellen wir vorerst nicht ein. Wegen der Entlassungen wird das Betriebsklima schlechter. Andere Start-Ups entlassen auch Mitarbeiter. Die Börsen gehen nach unten. Die Aufsichtsratssitzungen werden ungemütlich und laut. Unser wichtigster Kunde, der gleichzeitig unser Investor ist, ist unzufrieden. Warum, verstehen wir nicht. Die Software funktioniert. Unser Privatinvestor hat sein Geld noch nicht eingezahlt. Wir brauchen es aber bald.
Der Übergang von der Vision in die Realität ist selten gelungen. Für manche war die Zeit, die zur Verfügung stand, einfach zu kurz. Technologische Entwicklungen reifen über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren. In den Venture Capital Verträgen, die die Gründer unterschrieben haben war meist ein Börsengang oder Unternehmensverkauf innerhalb von 24 – 36 Monaten vorgesehen. Dazu gab es ja auch schließlich Risikokapital in Millionenhöhe. Leider lässt sich ein guter Entwicklungsprozess der ein Produkt durch mehrere Entwicklungszyklen gehen lässt, nicht durch mehr Geld verkürzen.
Letzte Kommentare