Phoenix Criminal Lawyer

New Economy 1.0 - Epilog

Mai 1999

07.28.07 | No Comments

Ich habe angefangen einen Businessplan zu schreiben. Vorlagen und Beispiele für erfolgreiche Businesspläne kann man im Internet haufenweise runterladen. Ich lerne eine Menge Gründer kennen, die in der gleichen Situation sind wie ich. Wir reden auch über unsere Businesspläne. Allerdings nur über Aufbau und Struktur, nie über Inhalte. Was unsere eigentlichen Geschäftsideen angeht, befällt uns eine Art Paranoia. Es könnte ja sein, jemand klaut die Idee, ist schneller am Markt und erfolgreicher.

Dutzende von Vorlagen für Businesspläne konnte und kann man sich aus dem Netz ziehen, bei Banken oder dem BMWI bestellen. Dort steht genau worauf man achten muss um keine Fehler zu machen oder zumindest Fehler zu vermeiden. Bis ins vermeintlich kleinste Detail. Die richtige Zusammensetzung des Gründerteams, die richtige Auswahl der Mitarbeiter, wie hat ein Management Summary auszusehen. Excel-Vorlagen für Bilanzen, Finanzierungsplan und Cash-Flow Berechnung. Und dann fängt man an, seinen Businessplan zu schreiben. Nach der Lektüre von ähnlichen, erfolgreichen Plänen, wusste man, es kommt hauptsächlich darauf an, die richtigen Schlagworte zu benutzen. Tatsächlich war der Businessplan das einzige Werkzeug der Gründer, neben ihrer Persönlichkeit, um an Kapital zu kommen. Oft genug wurden die Businesspläne nicht geschrieben, um die Geschäftsidee bzw. das Produkt auf Umsetzbarkeit zu überprüfen, sondern wurden einzig darauf getrimmt, möglichst viel Kapital zu akquirieren. Es war und ist einfach, Marktstudien zu beschaffen, die die eigene Vision untermauern. Realistische Planungen mit realistischem Geldbedarf, z.B. unter einer Million DM wurden meistens abgelehnt, mit der Begründung, dass die Renditeaussichten zu gering seien. Also wurden manche Businesspläne künstlich aufgebauscht, um mehr Kapital zu generieren. Man rechnete sich aus, wie viel Geld man brauchte, und danach richteten sich die Umsatzzahlen. Brauchte man viel Geld, mussten einfach die Umsatzzahlen hochgeschraubt werden. Und man brauchte viel Geld, um die neue Marke innerhalb von ein paar Monaten bekannt zu machen. Und man brauchte viel Geld, weil man sonst für die Risikokapitalgeber nicht interessant genug war. Und dieses Spiel hat funktioniert. Wider besseren Wissen der meisten Gründer und wider besseren Wissen der meisten Risikokapitalgeber. Die Frage ist, wer hat den Fehler zuerst gemacht? Der Gründer, weil er sich darauf eingelassen hat oder der Risikokapitalgeber weil er auf höchstmögliche Rendite hoffte? Ist es überhaupt ein Fehler, oder funktioniert der Markt immer nach diesen Regeln?

Jeder war von der Einzigartigkeit seiner Geschäftsidee so überzeugt, dass er sie nur im äußersten Notfall überhaupt erzählte. Der äußerste Notfall war der Risikokapitalgeber. Niemals wurden so viele Geheimhaltungsvereinbarungen unterschrieben, wie zur Zeit der New Economy.

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