Unser Businessplan hat Version 15 erreicht. Wir fahren, jetzt zu zweit, nach Berlin. Die Hochburg der Start-Up Szene. Hier soll ein Treffen zwischen Risikokapitalgebern und Gründern stattfinden. In einer alten Wohnung in einem Ostberliner Hinterhof schieben sich mehr als 100 Gründer durch die Gänge. Jeweils im Abstand von 2m verteilen sich die Risikokapitalgeber an Holztischen mit Holzbänken. Die BOSS Anzug Fraktion im Zeltlager. Das ist der Geist, das Gefühl der New Economy. Ein Ameisenhaufen voller Visionen, Ideen, Motivation und Pragmatismus. Es gibt nur Cola, rauchen ist verboten. Valley-Feeling. Hier hat man das Gefühl, es wird sich wirklich etwas bewegen. Wir schielen uns gegenseitig in die Businesspläne und auf die Powerpoint-Präsentationen, schließlich sitzen wir bei den wichtigen Finanzierungsgesprächen nebeneinander auf der Holzbank. Es gibt keine Krawatten, keinen Alkohol und wenig Frauen. Cola in Pappbechern. Alte Männer mit viel Geld, junge Männer mit viel Geld, junge Männer ganz ohne Geld aber mit Geschäftsideen. Und alle mit Träumen. Heute Abend ist hier jeder der Beste, jeder der kommende Manager oder Unternehmer des Jahres, jeder ein zukünftiger Millionär. Heute Abend sind wir alle wichtig. Wir verteilen eine Menge Unterlagen, führen eine Menge Gespräche und vereinbaren eine Menge Folgetermine. An diesem Abend in diesem Hinterhof in Berlin.
So entstanden die Siegerteams aus den Kommilitonen vergangener oder aktueller Studienzeiten, weil man sich kannte und schätzte oder sie fanden sich zusammen auf den unzähligen New Economy VC-Partys, wo man gut erkennen konnte wer, wer war. Grün waren die Gründer, rot das Kapital, gelb die Berater, die man ja immer gebrauchen kann. Grün waren die Gründer, unerfahren im Aufbau eines Unternehmens, meistens unerfahren bei der Personalauswahl, unerfahren im Umgang mit Millionen von Euro, welche plötzlich auf dem eigenen Unternehmenskonto landeten und für das man verantwortlich war.
0 Responses to “Dezember 1999”